Sojus 7 Bootstour: Ein Sonnentag auf dem Rhein Erection, The Darts, Booze & Glory (Konzertbericht) [Punk | Punkrock | Garage Punk | Oi ]

Es ist Mittwoch Morgen 07:56 und ich mach mir gerade Gedanken darüber, wie man ein Konzertbericht erfasst, der sich hauptsächlich an Fakten hält? Man könnte jetzt damit anfangen, wo es war, wie es war und wer alles gespielt hat, das ganze mit ein paar Zeilen garnieren, der ein minimales Interesse vorgaukelt, so das der geneigte Leser sieht, das zumindest ein Schreiberling vor Ort gewesen ist. Aber das würde der Sache nicht gerecht werden.

Schaut hier die Bildergalerie von diesem Event:

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Denn diese Art der Veranstaltung  ist viel mehr. Mit rein journalistischen Denken lässt sich das nicht beschreiben.

Herz für die Sache, ein Tag auf dem Rhein

Am 09.09.2023 fand zum wiederholten Male die Sojus 7 Bootstour statt. Aber bevor es zu dem Bericht geht, möchte ich euch, den Lesern etwas auf dem Weg mitgeben. Lasst unsere Subkultur niemals untergehen. Vergesst nicht die Bands, die kaum einer kennt. Geht mehr auf die Konzerte, geht mehr in die Clubs.
Zeigt diese Bands in den sozialen Medien, postet Links, Videos und Streams.
Denn genau, das macht das Team des Jugendhauses Sojus 7 in Monheim.
Jetzt ist aber genug der mahnenden Worte, wir gehen jetzt mal zum wesentlichen. Nämlich die genannte Veranstaltung.
Es war ein Tag voller Sonne und ca. 900 zufriedene, dauerhaft lächelnde Menschen, die den Tag mit auf den Rhein verbracht haben. Auf einen Schiff der KD Linie…auf einen Punkrock Konzert. Allein dieses prägende Bild, was man kaum beschreiben kann. Bunte Iros, hauptsächlich schwarze Bandshirts, klirrende Bierflaschen und dann Anzugtragende Mitarbeiter*innen, die irgendwie in dieser Horde deplatziert aussehen.
Schon auf dem Gang zum Schiff wurde das  Boarding musikalisch untermalt. Die „Flaschenkindaer“ spinten ein wenig Seemannsgarn um das kommende Piratenvolk auf das kommende einzustimmen. Aber bevor das passierte, wurde überall erst mal das große „Hallo“ ausgesprochen. Man muss sich das ganze als großes Familientreffen vorstellen. Man kennt immer jemanden von der buckeligen Verwandtschaft.

Der musikalische Startschuss wurde von der 2022 gegründete Band „Mean Ellees“ gesetzt. Kraftvoller, melodiöser Punkrock, der Stimmung macht. Allerdings auch kein Wunder, da es sich ausschließlich um Coverversionen handelt. Für den Einstieg in die Schiffssause allerdings perfekt. Nach Angaben der beiden Bandmitglieder Andy (Drums) und Leonie (Gesang) wird das Set nach und nach durch eigene Songs ergänzt.

Nach einer Umbaupause (wir nannten es Theken und Sonnendeckzeit) kam das Punkrock Trio Katastrophen Kommando auf die Bühne. Bereits seit 2016 ist man auf den Brettern der Republik unterwegs. Zu den Anfangstagen ihres Daseins hatte ich des Öfteren das Vergnügen mit der Band (gemeinsame Konzerte, einige selbst organisierte Veranstaltungen). Der zuckersüße Poppunkrock war natürlich unterhaltsam und regte auch dazu an, den Körper in Bewegung zu bringen, aber ich glaube fest daran, dass solch eine Bühne in der Größenordnung, die Band nervös macht. Vieles kam sehr statisch unten an. Das minderte das Stimmungsbild ein wenig. Aber da ich die Band komplett kenne, denke ich wirklich, dass es die Nervosität war.
Das Set wurde durch gespielt, die Menschen waren glücklich…das ist im Endeffekt, das einzige was zählt.
Nach einer weiteren Theken und Sonnendeckzeit (es kommen noch einige) wurde erst mal der innere Kern des Körpers befeuchtet, bevor es zu einem dehydrieren kommt. Bei einen fantastischen Wetter mit Sonnenstichgefahr, wurde auf den Klängen der DJs fröhlich das Tanzbein geschwungen. Auch hier wurde darauf geachtet, dass die Qualität der auflegenden Zunft, die der Bands im nichts nachsteht. DJ Opa (Stadion DJ Fortuna Düsseldorf) sowie JAY KAY (Jürgen Krause, der Lieblings DJ der Toten Hosen) sorgten für Punkrock, Ska und Indie aus der Konserve.
Im unteren Livebereich ging es dann mit „Erection“. Das erste richtige Highlight in Sachen Performance und Energie. Die farbenfrohe Band aus dem süddeutschen Raum zeigte von Ton 1 an direkt, was Punkrock so unwiderstehlich macht. Punkrock darf alles…abgefahrene Outfits, die geilsten Stagemoves seit Erfindung des Hairmetal und eine unbändige Spielfreude, die einen ein Lächeln ins Gesicht zaubert. Sobald die Bühne betreten wird, ist sofort Party angesagt. Selbst Texte, die wahrlich keine Party beinhalten, werden zu einer. Nur das man halt ein Statement gesetzt hat, was auch, trotz aller guten Laune, in der Kleinhirnrinde verankert ist.
So muss das sein, so soll es laufen.
Nach 45 min war das Specktakel gelaufen und es kam mal wieder zur einer Wiederholung der Theken und Sonnendeckzeit, bevor die volle Wucht einer absoluten Überraschung kam.
The Darts aus dem Land der unbegrenzten Möglichkeit machten sich bereit, das Schiff komplett zu übernehmen. Da kann ich mich komplett nur in Superlativen ausdrücken. Ein Sound zwischen Quentin Tarantino Soundtracks und Jon Lord. Eine Bestie zwischen Garage Punk und Stoner Rock. Ach einfach der Hammer, was die Damen da präsentiert haben. Ich verstehe Aussagen nicht, die da mangelnde Qualität bezeichnen. Oder noch viel Schlimmer. Von irgendwelchen Typen als Frauenquotenband bezeichnet. The Darts haben auf der ganzen Linie überzeugt und deutlich gezeigt, welch feines Näschen die Sojus Crew für Neuentdeckungen hat. Selten eine so kraftvolle und intensive Bühnenshow erlebt. nach dieser Erfahrung musste unbedingt wieder…Na, wer errät es?
GENAU: Eine Theken und Sonnendeckzeit, die musste jetzt wieder kommen
Nach dieser Überbrückung mit viel BlaBla rund um die gesamte Veranstaltung und Musik gab es dann auch wieder etwas auf die Ohren. Dabei fällt mir gerade beim Schreiben auf, dass ich die Reihenfolge vertauscht habe. Aber egal, was solls. Stellt euch einfach vor, dieser Fehler wäre niemals passiert, denn eine Theken und Sonnendeckzeit war dabei wohl Zuviel.
Die unterschlagene Band waren The Skatuesques, die noch vor The Darts gespielt haben. Das sympathische Quartett präsentierte sich spielfreudig und holte auch auch gut das Piratenvolk auf dem Rheindampfer ab. Aber ich persönlich werde den reinen Ska, nie wirklich was abgewinnen können.
Dagegen kommt die letzte Band, die an diesem ereignisreichen Tag/Abend die Bühne betritt, die Auszeichnung „würdiger Headliner“.
Meine Damen und Herren, der Seegang wurde trotz ruhigen Gewässers unruhig. Die volle Breitseite Streetpunk mit „Booze & Glory“ brachte das Wassergefährt stark zum Schwanken. Pogo von ersten bis zur letzten Reihe, hochgerissene Arme und kaum die Möglichkeit, ein paar Fotos zu machen. Das war zum Abschluss noch mal die perfekte Krönung an allen was man Oi liebt oder auch hasst. Mitgröhlsongs mit vielen Ohhoos, viel Fußball, viel Alkohol und jeder Menge Party. Besser konnte diese Sojus Bootstour nicht enden.
Wir freuen uns auf 2024.

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Sojus7 Bootstour 2024 (Veranstaltung Facebook)

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