Dass es bei ‚Easy Monday’ nicht immer g’schmeidig hard’n’heavy zur Sache geht, dürfte mittlerweile in sämtlichen Ecken der werten Hörerschaft angekommen sein. Ein Album, das mal wieder etwas aus dem Rahmen fällt, ist „Dizzy Heights“ von STARGAZER aus Regensburg. Aufgenommen bereits im Jahre 1998, dann – aus mir völlig unverständlichen Gründen – über 25 Jahre streng unter Verschluss gehalten, um dieser Tage mehr oder weniger überraschend doch tatsächlich noch veröffentlicht zu werden. Diese Tatsache allein schreit schon förmlich nach einem ausführlichen ‚Lauschangriff‘ bei ‚Easy Monday‘.

Vorweg sei schon mal verraten, dass die 11 Songs vorwiegend im äußerst anspruchsvollem Acoustic- bzw. Unplugged-Gewand gehalten sind und sich nicht ohne weiteres in eine der gängigen Schubläden zwängen lassen. Der Fünfer aus der Oberpfalz präsentiert sich auf „Dizzy Heights“ unglaublich vielseitig, fernab ausgetretener Acoustic Rock-Pfade. Mit „The Troubleshooter“, steigt man gleich zu Beginn recht Soul-lastig, gewürzt mit einer feine Prise Blues, sehr gekonnt ein. Während das schmissige „Broken English“, nicht zuletzt wegen seiner spritzigen Bläserparts, hier und da mit einer ordentlichen Portion CHICAGO-Mood zu begeistern weiß, bewegt man sich auf mit „Chez Rene Ube“ fast schon auf traditionellen französischen Folklore-Terrain. Als wahrer Ohrschmeichler entpuppt sich das von feinen Streicherparts untermalte „Gone With The Wind“, bei dem Sänger Armin Fendl sich von einer stimmlich raueren Seite zeigt als auf dem Rest des Albums. Schmissig-funky und mit mächtig viel Pep swingt sich „Pigs From The Gun“ gefolgt vom eher düsteren „Seducers“, das eine zarte Gothic-Note mit ins Spiel bringt. Das absolute Sahnestück einer durchgehend gelungenen Scheibe ist in meinen Ohren, die Ballade „You And I In Paradise“, das in einem verzaubernden Duett dargeboten wird. Mit einer erfrischenden Prise Jazz weiß hingegen das im variablen Tempo gehaltene „I Stay In Bed“ zu überraschen, während „Andalusia Burning“, ein feuriges Instrumental im Flamenco-Style, seinem Titel alle Ehre macht.


(Eigenproduktion/ 03.11.2023)

Kurzum: Wer gerne mal über den Tellerrand des Hard & Heavy Rocks hinausschaut und sich für facettenreiche Acoustic Rock-Klänge begeistern kann, der dürfte von „Dizzy Heights“ restlos begeistert sein. Für mich persönlich steht dieses Album mit auf einer Stufe wie BONFIREs genialer Acoustic-Doppeldecker „Roots“. Man möchte kaum glauben, dass die Songs bereits vor einem ¼Jahrhundert aufgenommen wurden, so frisch und unverbraucht wie das Material klingt! Man darf sich jetzt schon auf das neue Studioalbum von STARGAZER freuen, dass die Herrschaften für 2025 zu ihrem 40jährigen Bandjubiläum auf ihrer Agenda stehen haben.

Die Wertung

Gesamt: 9/10

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