J.B.O gehört wohl schon zum deutschen Kulturgut. Und genau mit diesem Selbstverständnis tritt House Of The Rising Fun auf: als rosarot gestrichener Schutzraum, in dem der Alltag kurz draußen bleiben muss, weil drinnen Riffs, Refrains und Realsatire Dienst schieben. Das Konzept „Haus“ ist dabei mehr als nur ein Gag im Titel – es ist die Klammer für eine Platte, die sich wie ein musikalisches Clubheim anfühlt: Eintritt frei, Ironie Pflicht, schlechte Laune bitte an der Garderobe abgeben.
Sound & Produktion: Punch, Klarheit, keine Ausreden
Wer bei Fun Metal reflexartig „Klamauk-Sound“ erwartet, wird hier angenehm korrigiert. J.B.O liefern ein druckvolles, modernes Brett: Gitarren breit und definiert, Drums straff auf Zug, der Bass nicht nur Füllmaterial, sondern mit eigenem Profil. Das Sounddesign ist kompakt, ohne zu ersticken – genug Wucht für die große Anlage, genug Detail für Kopfhörer, bei denen man sonst gern mal „nur“ die Pointe hört. Auch arrangiert ist das durchdacht: Steigerungen sitzen, Breaks öffnen den Refrain, und Hooks werden nicht zufällig gefunden, sondern sauber gezimmert. Perception / Reigning Phoenix Music setzen hier auf Qualität statt auf Quatsch-Patina.
Haltung & Humor: Ventil auf Anschlag, aber musikalisch ernst
Textlich bewegt sich House Of The Rising Fun in der klassischen J.B.O-Komfortzone – und gewinnt gerade dann, wenn die Band ihren Witz als Spiegel benutzt. „Vito, Wir Machen Krach“ übersetzt Pop- und TV-Überdruss in eine simple, aber effektive Kampfansage: raus aus dem Einheitsbrei, rein in Gitarren, Drums und die Erkenntnis, dass Kopf-Schütteln manchmal gesünder ist als Kopf-Zerbrechen. „Stinkefinger“ demontiert das Pseudo-Outlaw-Gehabe als Pose und macht sich gleichzeitig über die eigene „Wir sind so krass“-Attitüde lustig – eine Persiflage auf Inhaltsleere, die sich selbst im Spiegel erwischt (und dabei so tut, als wäre es Absicht gewesen).
Ganz anders, aber ebenso treffsicher: „Ka-Fump!“ macht aus dem Geräusch des Kronkorkens eine kleine Lebensphilosophie. Der Song packt Arbeitsmühle, Feierabend-Einsamkeit und die Sehnsucht nach „früher“ in einen Satz: Das Beste passiert oft nicht im Kalender, sondern spontan – mit Freunden, an der Bar, ohne Begründung. „Bussi“ wiederum treibt Oktoberfest- und Bavaria-Klischees so weit in die Karikatur, dass aus dem schunkelnden Flirt-Kitsch eine bewusst derbe Satire auf Bierzelt-Romantik wird – inklusive Heimat-Reflex und dem unterschwelligen Wunsch, lieber Richtung Fürstenfeld abzubiegen, bevor’s endgültig peinlich wird (zu spät!).
Highlights, Routine und der Punkt, an dem’s hängen bleibt
Die größte Stärke der Platte ist ihre Effizienz: J.B.O schreiben Songs, die live zwangsläufig funktionieren, weil sie auf Mitnahme gebaut sind – ohne komplett auf Studio-Feinschliff zu pfeifen. Dort, wo die Band Vorlagen nur minimal verschiebt oder eine Idee kompromisslos durchzieht, wird’s besonders stark: Dann sitzt die Komik nicht nur im Text, sondern im Timing, im Groove, in der Komposition. „Mein Arsch“ ist dafür das Paradebeispiel: eine Kaskade aus Alltagskatastrophen, Alterswehwehchen und Showbiz-Blamagen, die als Selbstironie getarnt daherkommt, aber im Kern ein erstaunlich universelles „Ich bin fertig – und mach trotzdem weiter“ formuliert.
Natürlich gibt es auch Passagen, die eher nach soliden Setlist-Bausteinen klingen als nach Studio-Offenbarung. Das ist die Kehrseite einer Band, die ihr Handwerk so gut kennt, dass sie sich gelegentlich auf bewährte Muster verlassen kann. Doch selbst dann bleibt die Produktion stabil, die Performance tight, und der Grundcharme trägt – Hannes ‚G. Laber‘ Holzmann und Veit ‚Vito C.‘ Kutzer liefern diesen typischen J.B.O-Mix aus Grinsen und Gitarren, der in guten Momenten wie ein Ventil wirkt und in sehr guten Momenten wie ein kleiner Befreiungsschlag. Einmal kurz nicht zu ernst sein: Das ist hier kein Makel, das ist Programm – und ja, das macht Spass.
Unsere Wertung:
➤ Songwriting: 8 von 10 Punkten
➤ Komposition: 7 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 8 von 10 Punkten
➤ Produktion: 9 von 10 Punkten
➤ Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten
Unser Fazit:
Wenn man es herunterbricht: House Of The Rising Fun ist eine druckvoll produzierte, clever arrangierte J.B.O-Platte, die Humor als Werkzeug nutzt, ohne musikalisch schlampig zu werden. Nicht jeder Gag sitzt, aber das Fundament ist stark genug, um kleinere Durchhänger wegzudrücken – mit Hooks, die kleben, und einem Sound, der mehr kann als nur „Party“. Wer J.B.O mag, bekommt Nachschub mit Substanz; wer sie nicht mag, wird zumindest anerkennen müssen, dass hier Profis am Werk sind, die sogar den Blödsinn präzise fräsen.
Mehr zu J.B.O im Netz:
J.B.O – Die offizielle Webseite
https://www.jbo.de/songtexte/bussi/
J.B.O bei Facebook:
http://www.facebook.com/kickersofass
J.B.O bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/6xyJPaGMOPyGyVlqAU2GqE

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