Ist es tatsächlich schon wieder fast 6 Jahre her, dass mich SPEED LIMIT mit ihrer letzten Studio-Scheibe „Anywhere We Dare“ dazu ‚genötigt‘ haben, nach einer halben Ewigkeit unerwartet review-technisch wieder in Erscheinung zu treten? Seither ist nicht nur mein ‚Gsatzerl zum Lauschangriff‘ eine feste sendungsbegleitende Einrichtung geworden, sondern auch mächtig viel Wasser die Salzach und die Saalach hinuntergelaufen. Wieder einmal mussten die Salzburger einen Sängerwechsel verkraften. Eine Krux, die SPEED LIMIT bereits seit ihrer Gründung verfolgt. Letztendlich ist man nach der Trennung von Manuel Brettl und einer längeren erfolglosen Suche glücklicherweise in den bandeignen Reihen fündig geworden: Hannes Vordermayer, seines Zeichens Schlagzeuger seit den Aufnahmen zu „Anywhere We Dare“, hat seit geraumer Zeit auch den Sängerposten inne. Dass er nicht nur ein herausragender Drummer, sondern auch ein äußerst ambitionierter Sänger ist, war für die Insider der Südostbayrischen und Salzburger Hard Rock/ Heavy Metal-Szene zwar kein großes Geheimnis mehr, aber erst durch die Neuaufnahme von „Head Over Heels“ zum 35jährigen Band-Jubiläum konnte er sich mit Erfolg erstmals einem größeren Publikum präsentieren.

Nun aber endlich zum neuen Album, das den interpretationsreichen Titel „Cut A Long Story Short“ trägt. Die Scheibe beherbergt insgesamt 12 Songs, u. a. auch die eben erwähnte Neueinspielung sowie dem während der Pandemie veröffentlichten „Ways & Means“ und zwei Live-Songs ihres Konzerts in Seeham/ Österreich im Sommer 2021 („Sweet Morphine“/ „Retired Hero“), die beide im Original auf dem Vorgänger-Album „Anywhere We Dare“ vertreten sind. Eröffnet wird das neue Machwerk allerdings mit „Shine Brighter Than The Sun“, einer temporeichen Hymne im unverkennbar wuchtigen SPEED LIMIT-Sound. Was bei dieser Nummer sofort auffällt, ist die Tatsache, dass auch die anderen Bandmitglieder mehr Gesangsaufgaben übernommen haben. Sprich, die Chöre und die Backgrounds sind im Gesamtbild breiter und präsenter als jemals zuvor. Dieses Faktum zieht sich wie ein roter Faden durch die komplette Spielzeit und verleiht dem Album einen äußerst erfrischend-mitreißenden Aspekt, was Songs wie der kraftstrotzende Midtempo-Kracher „New Horizon“, der mit seinen nahezu balladesken Momenten im letzten Drittel spannende Akzente zu setzen weiß, und die melodische Dampfwalze „Eye On You“, mehr als nachhaltig unterstreichen. Während mit „The Lady Is On Fire“ ein swingender Rock’n’Roller, der durch seine Ohrwurm-Qualitäten zu bestechen weiß, lässig um die Ecke schlendert, stößt das Quartett mit „Notorious“, bei dem trotz aller Power ein Hauch von THIN LIZZY mitzuschweben scheint, nahezu bedingungslos in Sphären des melodischen Power Metals vor. Andererseits bekommt man mit dem mächtig groovenden „Destiny’s Calling“ sehr erdige Hard Rock-Kost präsentiert. Aber auch epischer Stoff in der Tradition von „On The T.O.P.“ („Moneyshot“/ 2010) oder „No More Ace To Play“ („Anywhere We Dare“/ 2017) findet sich auf dem aktuellen Output in Form der überaus fesselnden 7½ min-Nummer „The Wind Blew In A Memory“ wieder. Zwar will dieses Epos dem geneigten Zuhörer zu Beginn suggerieren, dass er es hier mit einer astreinen Ballade zu tun hat, aber mit zunehmender Spieldauer nimmt die Geschichte immer mehr an Tempo auf und findet letztendlich seinen Höhepunkt im gutsituiertem Midtempo, um nach packenden Lead-/ Soloparts wieder sanft abzuklingen. Mit dem klassikerverdächtigen „Hit The Wall“, das vorab (zusammen mit den beiden eingangs erwähnten Live-Nummern) bereits als Video-Single/ EP veröffentlicht wurde, verpassen die Herrschaften dem ohnehin rundum sehr gelungenen und abwechslungsreichen Album noch ein fettes Sahnehäubchen.


(NRT Records/ VÖ 17.06.2023)

Langer Rede, kurzer Sinn: Es ist echt bewundernswert, mit welcher Beharrlichkeit Gitarrist Joe Eder sowie die beiden Ur-Mitglieder Chris Angerer (Gitarre) und Bassist Chris Pawlak seit mittlerweile mehreren Jahrzehnten jeden noch so bandeingreifenden Rückschlag wegstecken und immer wieder mit einem neuen, hochwertigen Album vollends zu begeistern wissen. Kann man abschließend nur hoffen, dass Hannes Vordermayer, der hier – wie die gesamte Band – einen Wahnsinnsjob abgeliefert hat, der ‚Doppelbelastung‘ weiterhin gewachsen bleibt und wir uns auf ein weiteres Album in dieser Besetzung freuen dürfen. Schlichtweg brillant!

Die Wertung:

Gesamt: 10/10

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