Die Infizierten entfachen mit „Fear And Loathing“ Live In Budapest kompromisslose Punkenergie (Konzertfilm) [ Aggropunk | Punkrock | Hardcore ]

Habt ihr an diesem Sonntag Bock auf Punkrock? Dann liefern Die Infizierten mit „Fear And Loathing (Live In Budapest)” genau den passenden Soundtrack. Der Konzertfilm zeigt die Wiener Formation dort, wo ihre Mischung aus Punkrock, Deutschpunk, Hardcorepunk und metallisch angeschärften Riffs am stärksten zündet: auf einer kleinen Bühne, unmittelbar vor dem Publikum und ohne unnötige Distanz. Aufgenommen am 29. Dezember 2025 im S8 Underground Club in Budapest, fängt die Veröffentlichung einen Abend voller Schweiß, Lautstärke und ungebremster Spielfreude ein. Was die Band selbst unter dem Begriff Aggropunk zusammenfasst, entwickelt live eine deutlich wuchtigere Dynamik als auf den Studioproduktionen. Aufgrund eines Konflikts mussten das ursprüngliche Intro und der erste Song nachträglich aus dem Film entfernt werden, weshalb eine entsprechend überarbeitete Fassung des Releases notwendig wurde. An seiner unmittelbaren Wirkung hat das jedoch kaum etwas geändert. Präsentiert wird „Fear And Loathing (Live In Budapest)” außerdem von Martin „Otte“ Örtel und Blattturbo.

Schaut hier das volle Konzert

Ein Konzertfilm mitten aus dem Geschehen

Schon in den ersten Minuten wird deutlich, dass Pinhead, DOC, N01Z und der inzwischen ausgestiegene BANDIT ihre Songs auf der Bühne nicht einfach nur nachspielen. Die Musiker verleihen dem Material zusätzliche Geschwindigkeit, Aggression und körperliche Präsenz. Gleichzeitig bleibt das Zusammenspiel kompakt und erstaunlich kontrolliert. Die Gitarren schneiden mit metallischer Schärfe durch den Raum, während der Bass nicht irgendwo im Gesamtklang verschwindet, sondern den Stücken ein massives Fundament verleiht. Das Schlagzeug treibt die Songs mit trockenem Druck vorwärts und hält selbst die hektischeren Passagen zuverlässig zusammen. Über allem liegt Pinheads raue Stimme, die nicht auf makellose Technik, sondern auf Ausdruck, Glaubwürdigkeit und unmittelbare Wirkung setzt. Gerade bei „Heuchler“, „Judas“ und „Punkpolizist“ greifen Rhythmik, Riffs und Gesang besonders wirkungsvoll ineinander. Breaks sitzen an den richtigen Stellen, Tempowechsel lockern die Strukturen auf und die Refrains besitzen genügend Nachdruck, um sofort hängen zu bleiben. Hier lärmt keine Band planlos drauflos. Die Infizierten beherrschen das Chaos und wissen genau, wann sie das Tempo anziehen oder einem Song kurz Luft verschaffen müssen.

Die Infizierten 2026 (v.l.n.r.)
N0IZ – Schlagzeug und Hintergrundgesang
Pinhead – Hauptgesang und Bass
DOC – Gitarre und Hintergrundgesang

Aggropunk zwischen Gesellschaftskritik und Selbstironie

Inhaltlich bleiben Die Infizierten ihrer bisherigen Linie treu. Konsumwahn, Heuchelei, moralische Gleichgültigkeit, Mitläufertum und die Widersprüche innerhalb der eigenen Szene werden ohne lange Vorwarnung ins Visier genommen. Die Band verpackt ihre Aussagen nicht in komplizierte Gedankengebäude, sondern verdichtet sie zu kurzen, eingängigen und oftmals bewusst provokanten Nummern. „Die Infizierten“ eröffnet die überarbeitete Fassung ohne Umwege und übernimmt damit wirkungsvoll die Funktion des neuen Auftakts. „Ekelhaft“ marschiert mit galliger Punk-Attitüde voran, während „Bankrotter Punkrocker“ Selbstironie, Szenebeobachtung und angeheiterten Alltagsfrust miteinander verbindet. Die Texte möchten keine akademischen Abhandlungen sein. Sie setzen auf klare Bilder, verständliche Botschaften und einen Tonfall, der lieber laut widerspricht, als höflich im Hintergrund zu verschwinden. Gerade auf der Bühne entwickeln diese direkten Ansagen ihre volle Wirkung, weil sie nicht bloß vorgetragen, sondern mit sichtbarer Überzeugung herausgeschleudert werden.

Schaut hier die Lyric-Videos zur kompletten EP „Bankrotter Punkrocker“ von Die Infizierten

Ein raues Klangbild mit klarer Struktur

Die technische Umsetzung versucht erfreulicherweise nicht, den Auftritt im Nachhinein in eine sterile Studioproduktion zu verwandeln. „Fear And Loathing (Live In Budapest)” darf scheppern, übersteuern und an einigen Stellen bewusst ungehobelt wirken. Trotzdem bleibt das musikalische Geschehen nachvollziehbar. Die Gitarren besitzen ausreichend Kontur, der Bass behält seine Präsenz und die Drums treiben das Konzert mit einem trockenen, kraftvollen Impuls voran. Nicht jeder Moment klingt makellos, doch genau diese kleinen Unebenheiten verleihen dem Film seine Glaubwürdigkeit. Die überarbeitete Version musste zwar auf das ursprüngliche Intro und „Nichts Ist Wie Es Scheint“ verzichten, büßt dadurch jedoch kaum Spannung ein. „Die Infizierten“ übernimmt den Einstieg ohne Anlaufphase und wirft das Publikum unmittelbar in das laufende Geschehen. Danach wechseln sich schnelle Attacken, kompakte Punknummern und kurze Verschnaufpausen sinnvoll ab, sodass das Konzert nicht zu einem gleichförmigen Lärmblock verschwimmt. Auch die Bildführung von Péter Drapkó bleibt dicht an den Musikern, ohne die Atmosphäre des kleinen Clubs durch hektische Schnitte zu zerstören. Die Postproduktion von Philipp Gottfried formt das vorhandene Material schließlich zu einer geschlossenen Veröffentlichung, die deutlich oberhalb eines gewöhnlichen Bootlegs angesiedelt ist.

Musikalische Haltung statt langer Erklärungen

Die größte Stärke dieses Konzertfilms liegt darin, dass Die Infizierten keine ausführlichen Selbstbeschreibungen benötigen. Innerhalb weniger Songs wird deutlich, wofür die Band musikalisch und inhaltlich steht. „No More“, „Geiz Ist Geil“, „Schachmatt“ und „Passed Out“ arbeiten mit einfachen, aber wirkungsvollen Strukturen, markanten Refrains und einer deutlich spürbaren Lust an der Konfrontation. Dabei verlässt sich die Gruppe nicht ausschließlich auf Lautstärke oder provokante Aussagen. Hinter der punkigen Angriffshaltung steckt ein präzises Zusammenspiel, das den Songs Stabilität und Durchsetzungskraft verleiht. Gerade bei dieser Form von Musik entscheidet die Balance zwischen Spontaneität und Kontrolle darüber, ob ein Auftritt elektrisiert oder lediglich chaotisch wirkt. Die Infizierten halten diese Spannung über weite Strecken aufrecht. Ihr Aggropunk bleibt aggressiv, publikumsnah und bewusst ungeschliffen, besitzt jedoch genügend musikalische Substanz, um auch außerhalb des unmittelbaren Konzerterlebnisses zu funktionieren. Damit eignet sich „Fear And Loathing (Live In Budapest)” nicht nur als Fan-Service, sondern ebenso als direkter Einstieg in den eigenwilligen Klangkosmos der Wiener.

Unsere Wertung:

➤ Songwriting: 8 von 10 Punkten
➤ Komposition: 8 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 10 von 10 Punkten
➤ Produktion: 6 von 10 Punkten
➤ Bild- und Tonqualität: 7 von 10 Punkten

➤ Gesamtwertung: 7,8 von 10 Punkten

Unser Fazit:

Auch in der notwendigen Neufassung bleibt „Fear And Loathing (Live In Budapest)” ein ehrliches und druckvolles Zeugnis der Bühnenqualitäten von Die Infizierten. Der Wegfall des ursprünglichen Intros und des ersten Songs ist bedauerlich, beeinträchtigt den Konzertfilm jedoch nicht entscheidend. Stattdessen startet die überarbeitete Version noch unmittelbarer und bringt den kompromisslosen Aggropunk der Wiener mit Wucht, Haltung und glaubwürdiger Clubatmosphäre auf den Bildschirm.

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