Alias Wayne – baut musikalisch fantastische Luftschlösser mit „Castles In The Sky“ (Musikvideo) [ Folk-Pop | Folk | Singer & Songwriter ]

Schlösser sehen auf Postkarten erstaunlich harmlos aus. Ein paar Türme, etwas Patina, fertig ist die romantische Kulisse. Man muss dafür lediglich vergessen, dass in ihren Mauern nicht nur höfische Tänze, sondern auch Macht, Krieg und menschlicher Größenwahn konserviert wurden. Genau in diesen Riss zwischen Märchenbuch und Geschichtsstunde setzt Alias Wayne seine Single »Castles in the Sky«. Hinter dem Namen steckt der texanische Musiker und Songwriter Ranzel X Kendrick, der Folk, Americana, Blues und Indie seit Jahren so unaufgeregt miteinander vermischt, als hätten diese Genres nie getrennte Schubladen besessen. Nach Veröffentlichungen wie »Manifest Destiny«, »Butterfly« und »If I Could Love U« zieht er nun eine akustische Luftburg hoch, deren Fundament überraschend tief in der Realität steckt.

Seht hier das offizielle Musikvideo zu »Castles in the Sky« von Alias Wayne.

»Castles in the Sky« beginnt mit einem sanft gezupften Akustikgitarrenmotiv. Kein großer Knall, kein elektronischer Wecker, der dem Publikum mitteilen müsste, wann es aufmerksam zu sein hat. Die wenigen Akkorde reichen aus, um die Tür zu Kendricks Gedankenwelt zu öffnen. Seine Stimme sitzt nah am Mikrofon, trägt eine reife, leicht angeraute Färbung und klingt eher nach persönlicher Erzählung als nach einstudierter Sängerpose.

Das Arrangement wächst langsam um diesen Kern herum. Zusätzliche Gesangslinien verbreitern den Refrain, während eine flötenartige Melodie durch die Zwischenräume zieht. Das könnte in weniger sicheren Händen schnell nach Räucherstäbchen, Klangschale und Wellnessprospekt klingen. Alias Wayne dosiert den Einsatz jedoch klug genug, um der Nummer Farbe zu geben, ohne sie in esoterischem Dampf verschwinden zu lassen.

Die hübsche Fassade hat Schießscharten

Der Titel ist zunächst verdächtig. »Castles in the Sky« klingt wie eine Formulierung, die seit Jahrzehnten Dauergast in Poesiealben, Motivationskalendern und leicht überteuerten Wandtattoo-Shops ist. Kendrick nutzt das Schloss am Himmel allerdings nicht ausschließlich als buntes Sinnbild unerreichbarer Träume. Die Idee des Stücks entstand unter dem Eindruck alter europäischer Architektur und der Frage, was diese majestätischen Bauwerke über Jahrhunderte hinweg gesehen haben müssen.

Damit kippt die romantische Kulisse. Burgen und Schlösser stehen nicht allein für Fantasie, Liebe und kindliches Staunen, sondern ebenso für Herrschaft, Besitz und die Kriege, die menschliche Gier regelmäßig auslöst. Kendrick betrachtet diese Gebäude gewissermaßen von zwei Seiten: als wunderschöne Monumente und als steinerne Zeugen ziemlich hässlicher Kapitel. Das ist keine neue Erkenntnis, aber eine, die in einer behutsamen Folkballade selten so unaufdringlich Platz findet.

Zwischen historischen und märchenhaften Bildern verhandelt der Song zugleich das Verhältnis von Wirklichkeit und Vorstellungskraft. Schwerter, Türme und Schlösser erscheinen wie Bruchstücke einer Erinnerung, die nicht eindeutig zwischen tatsächlich Erlebtem und innerer Projektion unterscheidet. Liebe wird dabei zum Gegenentwurf gegen den zerstörerischen Teil der Geschichte: nicht als triumphale Lösung sämtlicher Menschheitsprobleme, sondern als flüchtiger Zustand, in dem die Welt für einen Moment weniger brutal wirkt.

Ganz ohne Stolperstein bleibt der Text nicht. Einige Bilder stehen eher atmosphärisch nebeneinander, als dass sie zu einer klaren Erzählung zusammenfinden. Wer eine Ballade mit sauber aufgelöstem Handlungsbogen erwartet, bleibt vor der Zugbrücke stehen. Alias Wayne interessiert sich stärker für Empfindungen, Assoziationen und Erinnerungssplitter. Das sorgt für Tiefe, verlangt aber auch die Bereitschaft, nicht jede Metapher bis in den Burgkeller auszuleuchten.

Drei Minuten ohne Belagerungsgerät

Musikalisch setzt Kendrick konsequent auf Zurückhaltung. Die akustische Gitarre bleibt das tragende Gerüst, während die weiteren Ebenen langsam hinzukommen. Nichts drängelt, nichts wirft sich mit ausgestreckten Armen vor die Melodie. Gerade die weiblichen Harmoniestimmen verleihen dem Refrain jene schwebende Qualität, die der Titel verspricht. Sie heben das Stück an, ohne es in Richtung pathetischer Hymne abzutransportieren.

Auch die Produktion verweigert die heute übliche Hochglanzbehandlung. Stimme und Gitarre behalten ihre organische Wärme, kleine Rauheiten dürfen hörbar bleiben. Das passt zu einem Song, der von alten Mauern, Erinnerungen und vergänglichen Wunschbildern handelt. Ein klinisch polierter Folk-Pop-Sound wäre hier ungefähr so hilfreich gewesen wie eine LED-Werbetafel am Burgtor.

Allerdings trägt diese Behutsamkeit auch ein Risiko. Nach dem starken Aufbau hätte das letzte Drittel etwas entschlossener ausbrechen dürfen. Ein markanter instrumentaler Kontrapunkt oder eine kräftigere dynamische Zuspitzung hätte dem Stück zusätzliche Fallhöhe verliehen. Stattdessen bleibt »Castles in the Sky« bis zum Schluss höflich und gemessen. Die Burg wird besichtigt, aber nicht gestürmt.

Das offizielle Musikvideo folgt diesem schwebenden Charakter. Es versteht sich weniger als handlungsreiches Historienkino denn als visueller Stimmungsraum für die märchenhaften und nachdenklichen Motive des Songs. Dadurch drängt es sich nicht zwischen Musik und Publikum, sondern verlängert die Atmosphäre. Auch hier gilt: Wer Ritterturniere, brennende Festungen oder Fantasy-Spektakel erwartet, ist im falschen Film gelandet. Die leisen Bilder passen wesentlich besser zu Kendricks Art des Erzählens.

Am Ende gewinnt »Castles in the Sky« gerade deshalb, weil die Single ihre Gedanken nicht mit einer übergroßen Botschaftstafel vor sich herträgt. Alias Wayne schreibt einen Song über Liebe, Erinnerung, menschliche Ambitionen und jene merkwürdige Fähigkeit, selbst aus einer gewalttätigen Vergangenheit noch Schönheit herauszulesen. Drei Minuten reichen dafür aus. Das Schloss steht ohnehin im Kopf.

Unsere Wertung:

➤ Songwriting: 8 von 10 Punkten
➤ Komposition: 8 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 8,5 von 10 Punkten
➤ Produktion: 8 von 10 Punkten
➤ Musikvideo: 8 von 10 Punkten

➤ Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Unser Fazit:

Mit »Castles in the Sky« baut Alias Wayne keine monumentale Fantasy-Festung, sondern einen filigranen akustischen Rückzugsort. Sanft gezupfte Gitarren, warme Harmoniestimmen und eine wohldosierte Flötenmelodie tragen einen Text, der romantische Vorstellungen mit den Schatten menschlicher Geschichte verbindet. Nicht jedes Bild fügt sich nahtlos zusammen, und eine stärkere Eskalation hätte dem Finale gutgetan. Trotzdem besitzt die Single jene stille Klasse, die keine Zugbrücke hochziehen muss, um sich vor dem Folk-Pop-Einerlei zu schützen.

Mehr zu Alias Wayne im Netz

Offizielle Website:
https://www.ranzelxkendrick.com/alias-wayne

Alias Wayne bei Instagram:
https://www.instagram.com/ranzelxkendrick/

Alias Wayne bei Spotify:
https://open.spotify.com/artist/7EVKLQcMwy3l5IZcQKpTCY

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