Die Dorks – „Unberechenbar“: Das neue Album der Metalpunk Garanten ist episch! (Musikvideo) [ Metalpunk | Heavy Rock | Punk ]

Es gibt diese Platten, die klingen wie ein Meetingprotokoll: „Wir sollten härter werden, aber bitte nicht zu sehr. Wir sollten eingängiger werden, aber bitte ohne Risiko.“ Und dann gibt es DIE DORKS mit „Unberechenbar“: ein Album, das nicht so tut, als wäre es zufällig passiert, sondern als hätte jemand endlich entschieden, dass Halbgar nicht mehr reicht. Das ist kein vorsichtiges Zurückmelden, kein „Hallo Szene, wir leben noch“. Das ist: „Wir meinen das jetzt so.“

Zieht euch hier den Clip zu „Maximal“ rein

Und genau da setzt die radikale Qualität dieser Platte an. DIE DORKS versuchen nicht, allen Fraktionen gleichzeitig zu gefallen. Sie werfen dir nicht fünf Stilrichtungen in einen Sack und hoffen, dass am Ende „Crossover“ draufsteht. Stattdessen wirkt „Unberechenbar“ wie eine Band, die ihre eigenen Reflexe überprüft hat: Wo ist der Punch? Wo ist der Refrain, der nicht nach Kalkül riecht? Wo ist der Moment, in dem du merkst: Das hier ist nicht Pose, das ist Spannung?

Das Album ist unbequem auf eine gute Weise, weil es nicht nett sein will. Trotzdem ist es nicht stumpf. Es ist kontrollierte Aggression, aber nicht im Sinne von „wir haben’s im Griff“ – eher im Sinne von „wir wissen, wann wir loslassen“. Und das ist eine Kunst, die im Punk/Metal-Hybrid viele predigen, aber wenige wirklich liefern.

Produktion: Druck, der nicht nach Anstrengung tönt

Ein paar Worte zur Soundseite, weil sie bei „Unberechenbar“ entscheidend ist: Diese Platte klingt fett, aber nicht geschniegelt. Da ist Wucht, da ist Raum, da ist diese Art von Durchsetzungskraft, bei der Gitarren nicht wie graue Tapete wirken, sondern wie ein Werkzeug. Dass Eike Freese und Alexander Dietz an der Produktion beteiligt sind, ist kein Sticker auf der Verpackung, sondern hörbar in der Konsequenz: Die Drums stehen, die Gitarren schneiden, und der Bass ist nicht „auch vorhanden“, sondern Teil der Argumentation.

Was wichtig ist: Der Sound macht die Band nicht „größer“, als sie ist. Er macht sie klarer. Das ist ein Unterschied. Viele moderne Produktionen versuchen, jede Kante wegzupolieren, weil man ja „international“ klingen will. Hier bleibt Rotz im System, aber der Rotz ist organisiert. Du kannst reinhören und findest Details, statt nur Lärmwand. Und das hilft DIE DORKS, weil ihre Songs nicht nur von Tempo leben, sondern von Wechseln, Akzenten, diesen kleinen Scharnieren zwischen Punk-Drive und Metal-Gewicht.

Der Köder heißt „Maximal“ – und er funktioniert, weil er nicht anbiedert

Der Opener „Maximal“ ist ein cleverer Einstieg, weil er erst mal nicht den Holzhammer auspackt, sondern Groove und Rock’n’Roll-Motorik. Das wirkt wie ein „Komm näher“-Moment – aber nicht im Sinne von nett, sondern im Sinne von: „Stell dich hin, gleich passiert was.“ Der Song hat diese sofort greifbare Bewegung, die dir den Kopf mitnimmt, bevor du überhaupt anfängst, das Genre zu sortieren.

Und genau damit setzen DIE DORKS den Ton: Eingängigkeit ist erlaubt, solange sie nicht weichgespült ist. Ein Refrain darf hängen bleiben, ohne dass man sich dafür entschuldigen muss. Das ist Punk im besten Sinne: nicht gegen Melodie, sondern gegen falsche Wichtigkeit.

Wenn’s kippt, kippt’s richtig: „Kein Sommer der Liebe“ als erster Tritt in die Rippen

Dann kommt „Kein Sommer der Liebe“ und zieht die Schlinge enger. Hier merkst du, wie gut „Unberechenbar“ mit Erwartung spielt: erst anfüttern, dann zuschnappen. Der Song baut über Gesangsschichten und Dynamik Druck auf, und wenn der Refrain reinknallt, ist das nicht „Überraschung, wir können auch laut“, sondern eine gezielte Eskalation.

Hier „Lieber In Der Hölle Herschen“ reinziehen!

Was dabei auffällt: Die Band kann Spannung halten, statt sie immer sofort aufzulösen. Das Album ist voll von Momenten, in denen du denkst: „Okay, jetzt müsste eigentlich der nächste Standardpart kommen“ – und dann kommt ein Break, eine Bridge, ein rhythmischer Shift, irgendwas, das den Song nicht zerfasert, aber lebendig hält. Genau diese Entscheidungslust macht „Unberechenbar“ stärker als viele Platten, die sich nur über Tempo definieren.

Frontstimme: Liz klingt nicht „cool“ – sie klingt überzeugt

Im Zentrum steht Liza (und ja, Frontstimmen sind bei dieser Art Musik immer der Lackmustest). Sie singt nicht „schön“, sie singt nicht „dreckig“ als Gimmick, sie singt so, als würde sie dir das ins Gesicht sagen, weil sie’s muss. Dieses ruppige Timbre ist der Klebstoff, der Punk-Attitüde und Metal-Druck zusammenhält.

Und das Beste: Sie bleibt nicht in einem Modus. Auf den härteren Stücken wie „Kranker Geist“ und „Alles zerstören“ ist da ein aggressiver Zugriff, der nicht nach Studiotrick klingt. Kein „wir drehen mal Distortion auf die Stimme und tun böse“. Sondern echte Attacke, die sich durch den Song frisst. Das erinnert in der Haltung manchmal an klassischere Metal-Kante, aber ohne dass DIE DORKS anfangen, fremde Uniformen anzuziehen.
Auf der anderen Seite funktioniert Liza auch dort, wo die Songs mehr Hook brauchen: Sie kann Refrains tragen, ohne dass sie weich wird. Das ist selten genug in dieser Schnittmenge aus Punk, Metal und Rock, wo viele entweder nur brüllen oder nur säuseln können.

Die Rhythmus-Frage: Warum der Bass hier nicht dumm rumsteht

Ein echtes Plus: Der Bass ist nicht Opfer der Gitarrenwand. Gerade bei „Es ist echt“ spürst du, dass da jemand spielt, nicht nur begleitet. Der Bass schiebt, kommentiert, füllt Lücken und macht die Riffs größer, ohne sie zuzukleistern. Das gibt der Platte eine Körperlichkeit, die man im Crossover-Bereich oft vermisst, weil viele Produktionen den Tieftonbereich wie eine Schublade behandeln: „Rein damit, Deckel zu.“
Auch die Drums sind auf „Unberechenbar“ erfreulich konsequent: stabil, druckvoll, nicht verspielt um des Spielens willen. Es gibt Akzente, die Songs öffnen und schließen, statt sie zu dekorieren. Und genau das macht die Platte so trittfest: Du hast nie das Gefühl, dass hier jemand seine Technik beweisen will. Hier will jemand, dass der Song gewinnt.

Der Mitgröl-Moment ohne peinliche Stadionhose: „Solange noch mein Herz schlägt“

„Solange noch mein Herz schlägt“ ist so ein Song, der live vermutlich den kollektiven Kehlen-Test auslöst. Das Ding sitzt, weil das Riff klar ist, die Bridge Sinn ergibt und der Refrain nicht nach „Jetzt bitte alle“ riecht, sondern nach „Wenn du’s nicht mitsingst, bist du selbst schuld“. Hier zeigt sich auch, dass DIE DORKS inzwischen Songdramaturgie können: Spannung aufbauen, entladen, wieder anziehen.

Wird durch den melodischen Gesang zur epischen Hymne! garniert mit griffiger Instrumentalisierung – Solange Noch Mein Herz Schlägt

Kein planloses Durchballern….. Und genau da wird’s radikal interessant: „Unberechenbar“ wirkt nicht wie ein Album, das nur aus einzelnen Tracks besteht. Es hat Verlauf. Es hat Kurven. Es gibt dir nicht permanent den gleichen Adrenalinschub, sondern wechselt bewusst zwischen Druck und Zugänglichkeit. Das ist eine Band, die verstanden hat, dass Dauerattacke irgendwann nur noch Hintergrund wird.

Highlight mit Dreck unter den Nägeln: „Kopf frei“ als der Moment, in dem alles ineinandergreift

„Kopf frei“ ist einer dieser Tracks, bei denen die Platte plötzlich komplett Sinn ergibt. Rock’n’Roll-Energie, treibendes Riff, dieser „Los jetzt“-Impuls, der nicht geschniegelt wirkt. Ein Song, der nicht erklärt, sondern handelt. Das ist der Punkt, an dem du nicht mehr über Genre nachdenkst, sondern nur noch über Bewegung.

Und hier kommt wieder die Produktionseite ins Spiel: Weil der Sound so stabil ist, kann der Song atmen, ohne dünn zu werden. Du hörst Anschläge, du hörst den Raum, du hörst die Band als Einheit. Das ist nicht selbstverständlich in einer Zeit, in der viele Platten klingen, als wären sie aus Einzelteilen zusammengeklickt worden.

Textlich: keine Predigt, eher ein Messer

Die Texte auf „Unberechenbar“ funktionieren für mich dann am besten, wenn sie nicht auf Parole machen, sondern auf Präzision. „Such dir keinen neuen Gott“ ist dafür ein gutes Beispiel: Das trifft diese moderne Ersatzreligions-Nummer – Heilsversprechen, Selbstbetrug, Ideologien als Komfortzone – ohne in den langweiligen „Ich erklär euch mal die Welt“-Ton zu kippen. Es ist eher ein Anstupsen mit dem Ellbogen, nur dass der Ellbogen hier aus Stahl ist.

Insgesamt bleibt die Haltung unbequem, aber nicht theatralisch. Kein erhobener Zeigefinger mit Lackstiefel, sondern Wut, die aus Beobachtung kommt. Und das ist der entscheidende Unterschied: Viele Bands schreiben „gesellschaftskritisch“, weil das halt dazugehört. DIE DORKS klingen, als hätten sie wirklich die Schnauze voll – und das trgt die Platte.

Härte-Test: „Kranker Geist“, „Alles zerstören“ und warum das nicht nach Pflichtprogramm klingt

Die härtesten Momente wie „Kranker Geist“ und „Alles zerstören“ sind nicht einfach „die harten Songs“, die man braucht, um Metal-Leute abzuholen. Sie sind dramaturgische Knotenpunkte. Hier wird der Ton düsterer, kompromissloser, und Liza geht weiter nach vorne. Das ist nicht nur Lautstärke, das ist Haltung in der Stimme.

Was mir gefällt: Die Band bleibt dabei musikalisch klar. Kein Chaos, kein „wir machen jetzt mal vier Breakdowns, weil’s modern ist“. Stattdessen: Riff, Drive, Fokus. Genau dieses Fokussierte macht die Platte so wirksam. Unberechenbar eben nicht als Zufall, sondern als Entscheidung.

Der „Vorabtrack“-Stempel bleibt aus: „Exzessive Notwehr“ fügt sich ein

Vorab bekannte Songs haben oft dieses Problem: Man kennt sie, sie wirken wie Fremdkörper im Album, weil sie für sich stehen mussten. „Exzessive Notwehr“ wirkt auf „Unberechenbar“ nicht wie ein nachträglich eingeklebtes Teil, sondern wie ein Baustein im Gesamtfluss. Das spricht für die Dramaturgie des Albums – und auch dafür, dass das Material in einem Guss gedacht wurde.

Exzessive Notwehr? Ja ! Voll in your Face!

Wo ich meckern würde (weil Radikalität auch heißt, nicht zu nicken)

So sehr die Platte überzeugt: Es gibt Stellen, an denen man merkt, wie sauber die Band inzwischen kalkulieren kann – und Kalkül ist ein zweischneidiges Schwert. Manche Übergänge sind so punktgenau, dass man sich kurz fragt, ob der Schmutz absichtlich an der richtigen Stelle sitzt. Das ist kein echtes Problem, eher ein Nebenprodukt von Reife: Wenn du besser wirst, verlierst du manchmal diesen einen Moment, in dem alles kurz fast auseinanderfliegt – und genau dieser Moment kann magisch sein.

Ich hätte mir an einer Stelle im Album (gefühlt im Mittelteil) einen echten Störsong gewünscht: nicht als Ballade, nicht als „jetzt wird’s ruhig“, sondern als struktureller Unfall. Ein Track, der bewusst gegen den Fluss arbeitet. Einfach, um dem Titel „Unberechenbar“ noch eine andere Facette zu geben: nicht nur „wann kommt die Härte“, sondern „was trauen sie sich, kaputt zu machen“. Aber das ist Luxus-Kritik. Das Album funktioniert auch ohne diesen Sabotageakt.

Unsere Wertung:

Songwriting: 9 von 10 Punkten
➤ Komposition: 9 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 10 von 10 Punkten
➤ Produktion: 9 von 10 Punkten

➤ Gesamtwertung: 9,5 von 10 Punkten

Unser Fazit:

„Unberechenbar“ Eine Platte die nicht (um jeden Preis)gefallen will und es trotzdem tut

DIE DORKS liefern mit „Unberechenbar“ ein Album, das nicht auf Nummer sicher fährt, obwohl es handwerklich deutlich sicherer ist als früher. Das ist der Widerspruch, der das Ding spannend macht: Reife ohne Bravheit. Druck ohne Plastik. Melodie ohne Kitsch. Wut ohne Kasperletheater.
Highlights wie „Maximal“, „Kein Sommer der Liebe“, „Solange noch mein Herz schlägt“ und „Kopf frei“ zeigen eine Band, die ihre Werkzeuge kennt und sie bewusst einsetzt. Die harten Kanten in „Kranker Geist“ und „Alles zerstören“ wirken nicht wie ein Genre-Zitat, sondern wie ein Statement. Und Tracks wie „Es ist echt“ beweisen, dass Details (Bassarbeit, Dynamik, Arrangement) hier nicht Beiwerk sind, sondern Teil des Charakters.

Wenn du eine Platte willst, die dich nebenbei begleitet: falsche Adresse. „Unberechenbar“ will Aufmerksamkeit, und es bekommt sie – weil es dich nicht um Erlaubnis fragt.

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