Sic Zone: Letahl Whisper – Volle Härte gegen Femizid (Musik) [ Interview | Melodic Death METAL | Thrash Metal ]

Neue Single von Sic Zone: Letahl Whisper

Harte Musik, harte Themen: Mit ‚Lethal Whisper‘ setzen sich Sic Zone mit Femiziden auseinander und klingen dabei so angepisst, wie es dieses Thema verdient: Aggressiv vom ersten Scream bis zum letzten Ton, voller Verachtung für die Täter. Wir haben darüber mit PY Fischer gesprochen – zum Interview müsst ihr nur etwas scrollen. Aber zunächst zum Video: Anstatt sich hier in Brutalität zu suhlen, wirkt es allein durch die Stimmung bedrohlich, es genügt, das Grauen mit etwas Kunstblut und ohne Tat zu inszenieren. Schaut es Euch an:

Video: Lethal Whisper

Auslöser für den Track war die Tatsache, dass auch in Deutschland fast jeden Tag eine Frau ermordet wird – weil sie Frau ist. Und SIC ZONE thematisieren in ihren Songs eher die harte Realität, als über Drachen oder Mittelerde zu singen. Die Musik gibt der Wut über solche Gewalt ein Ventil. Der einzige Widerspruch: Während für die Täter nur Ablehnung bleibt, gefällt der Song umso mehr.

Cover Lethal Whisper


Unsere Wertung

Musik: 8 Punkte
Authentizität: 10 Punkte
Produktion: 9 Punkte
Gesamt: 9 Punkte


Interview mit PY Fischer (SIC ZONE)

Was gab den Ausschlag, sich mit „Lethal Whisper“ zum Thema Femizid zu äußern?

PY: Der Ausschlag war vor allem unsere intensive Auseinandersetzung mit dem, was aktuell in der Welt passiert. Wir glauben, dass viele Menschen die Nachrichten verfolgen – und gerade deshalb stößt man zwangsläufig immer wieder auf Berichte über Femizide. Leider viel zu häufig. Was uns besonders bewegt: Femizide werden in unseren Augen immer noch nicht ausreichend, nicht tiefgehend genug thematisiert. Es wird darüber gesprochen, aber oft bleibt es bei Zahlen, Schlagzeilen. Kurze Momente der Aufmerksamkeit. Die strukturelle Gewalt, die dahintersteht, und die menschlichen Schicksale geraten dabei viel zu schnell in den Hintergrund. Unsere Grenze liegt im Privaten: Auch wenn wir diesem Thema teils näher begegnet sind, bleibt das Private bewusst privat.
Unser früherer revolutionärer Gedanke, die Welt retten zu können, ist vielleicht gestorben. Aber geblieben ist der Wunsch, sie zumindest ein kleines Stück besser zu machen. Aus genau diesem Gefühl heraus ist der Song entstanden. „Lethal Whisper“ ist für uns wie ein unangenehmes Gefühl, das sich einschleicht und nicht mehr loslässt – eines, das hoffentlich nicht nur zum Umdenken anregt, sondern zum Mitfühlen.

Sic Zone anno 2026
Sic Zone anno 2026

Anstatt im Video ein brutales Gemetzel zu zeigen, seid überwiegend ihr zu sehen. Es wirkt auch so bedrohlich und intensiv, auch durch die Farbwelt. Sag noch etwas mehr über das Video.

PY: Uns war von Anfang an wichtig, im Video nicht auf explizite Gewalt oder ein brutales Gemetzel zu setzen. Das hätte sich für uns zu populistisch angefühlt und wäre dem Thema nicht gerecht geworden. Femizid – das ist kein Schockeffekt zum ausschlachten. Das ist reale Gewalt, reale Angst, reale Menschen. Stattdessen wollten wir eine Atmosphäre schaffen, die Bedrohung und Enge spürbar macht, ohne sie direkt abzubilden. Die reduzierte Bildsprache, die Konzentration auf uns selbst und die düstere Farbwelt sollen genau dieses Gefühl transportieren. Ein Gefühl, das unter die Haut geht, ohne alles auszusprechen. Ich bin ein sehr empathischer Mensch und stoße angesichts der Grausamkeit dieser Welt oft an meine Grenzen. Für das Video habe ich versucht, mich gedanklich in diese Situation hineinzuversetzen – in das Gefühl, in die Enge getrieben zu werden. Ein Gefühl, das wahrscheinlich viele Menschen kennen, wenn auch in einer ungleich weniger extremen Form. Gleichzeitig geht es im Song und im Video nicht nur um Ohnmacht, sondern auch um Befreiung. „Lethal Whisper“ ist traurig und wütend, aber er soll Mut machen, nicht aufzugeben. Wenn wir mit diesem Video auch nur wenigen Menschen das Gefühl geben konnten, gesehen zu werden oder Kraft zu schöpfen, dann ist für uns genau das Richtige passiert.

Ihr seid von der Veröffentlichung von Alben übergegangen zur Single-Track-VÖ. Ist das der Streaming-Entwicklung geschuldet? Es sind ja bereits vier weitere neue Songs angekündigt. Kannst Du uns über diese Tracks schon etwas verraten?

PY: Ja, die Entwicklung im Streaming hat das Thema Veröffentlichungen komplett verändert. Ob das Fluch oder Segen ist, darüber bin ich selbst noch unsicher. Einerseits lerne ich dadurch viel neue Musik kennen oder stoße auf Dinge, die ich sonst vielleicht nie gehört hätte. Andererseits verändert es natürlich auch, wie Musik wahrgenommen und konsumiert wird. Was die neuen Tracks angeht: Ideen und Songs gibt es bereits sehr viele – daraus hätte problemlos auch ein komplettes Album entstehen können. Wir haben uns aber bewusst entschieden, vorerst auf Single-Veröffentlichungen zu setzen.
Aktuell sind zwei neue Songs in Vorbereitung für das Studio. Den ersten kennen einige bereits von unseren Shows: „#getsickgetfree“. Der Song ist sehr persönlich und thematisiert Mobbing sowie die Gefühle, die damit einhergehen. Textlich ist er vielleicht etwas wütender geraten – aber das ist auch Teil unserer Art, Dinge zu verarbeiten.
er zweite Track trägt den Titel „Worthless“ und beschäftigt sich mit dem Gefühl, wertlos zu sein in dieser Welt. Dabei arbeite ich stark mit einer Bildsprache, die sich an apokalyptischen Vorstellungen orientiert. Beide Songs sollen Anfang des Jahres ins Studio gehen und noch im Laufe dieses Jahres veröffentlicht werden.

.. und ist mittelfristig auch wieder mit physischen Tonträgern von SIC ZONE zu rechnen?

PY: Ja, grundsätzlich schon. Wenn wir mit der aktuellen Era durch sind, wird es die Songs definitiv auch auf einem physischen Tonträger geben. In welcher Form genau – da sind wir noch unschlüssig. Wir sind wahrscheinlich einfach nicht die klassische „gemütliche LP-auflegen“-Band. Also nicht dieses „Schatz, hol den Wein, ich leg jetzt SIC ZONE auf“-Gefühl. Dafür sind wir vermutlich die falsche Kunst. Aber genau deshalb wollen wir auch schauen, welches Format wirklich zu uns passt – etwas, das unsere Musik und die Energie dahinter authentisch widerspiegelt und nicht nur aus Nostalgie entsteht.

Eure Musik ist keine leichte Kost: SIC ZONE fordert emotional heraus, schwankt zwischen Wut, Traurigkeit und enormer Energie und kann Hörer beim ersten Kontakt regelrecht überfordern. Man braucht oft mehr als einen Durchlauf, um hinter der Intensität die künstlerische Ebene zu erkennen. Habt ihr jemals darüber nachgedacht, musikalisch „zugänglicher“ oder einfacher zu werden?

PY: Vielen Dank erst einmal für die lieben Worte. Ja, dieser Gedanke stand tatsächlich für einen kurzen Moment im Raum – vielleicht für zwei Sekunden. Aber bei SIC ZONE ist die Antwort ganz klar: nein. Das ist für uns einfach nicht machbar. Wir sind, wie wir sind, und wir können auch nicht anders. Unsere Musik entsteht aus genau dieser Emotionalität und Ehrlichkeit. Wer sich wirklich darauf einlässt, versteht uns irgendwann – und fühlt sich im besten Fall selbst verstanden. Oberflächlich betrachtet passen wir in keine Schublade, und ich habe das Gefühl, dass genau das manchen Menschen Angst macht. Diese Angst möchten wir nehmen. Es geht uns nicht darum, zu überfordern oder abzuschrecken, sondern um Verbindung. Am Ende wollen wir nichts anderes als eine friedliche, liebevolle Welt – auch wenn unsere Musik laut, wütend oder schmerzhaft sein kann. Genau mit diesem Ansatz führen wir das Projekt jetzt weiter, auch mit dieser Single.

Vielen lieben Dank für das Interview. Ich wünsche dir und den SonicRealm-Fans alles Gute!

merh über Sic zone im Web:

Sic Zone bei Bandcamp:
https://siczone.bandcamp.com

Sic Zone bei Spotify:
https://open.spotify.com/intl-de/artist/5bkyN0EgFeI7eJgk1RNS2z?si=SK-NxDSbSPaWw3BoMGpEkw

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