Lautstærke – „Unser Publikum fühlt unsere Musik“ – Sänger André im Interview (Musikplaylist) [ Heavy Rock | Alternative Rock | Deutschrock ]

Zwischen Tag und Nacht, Indie-Flair und Heavy-Rock-Schub: LAUTSTÆRKE melden sich mit „DÆMMERUNG“ zurück – einem Album, das spürbar fokussierter wirkt und zugleich mehr Räume öffnet als das Debüt. Statt „zu viel von allem“ setzt die Band auf ein klares Spannungsfeld aus hellen, nach vorn springenden Momenten und dunkleren, emotionalen Tiefen. Genau diese Balance zieht sich durch Songwriting, Sounddesign und Dramaturgie der Platte.

Hier das Album „DÆMMERUNG“ anhören und die Clips ansehen!

Wir haben mit Sänger André über den Leitstern im Studio gesprochen, über bewusst gesetzte Kontraste aus Härte und Hooks, über den detailverliebten Feinschliff mit Produzent Frederic Gieselbach – und darüber, was sich im Zuge von Line-up-Veränderungen bei LAUTSTÆRKE neu sortieren musste. Außerdem geht’s um die Live-Wirkung vor großem Publikum, die Zusammenarbeit mit NRT-Records und warum „DÆMMERUNG“ als physisches Produkt für die Band mehr ist als Nostalgie: nämlich ein Statement.

Hallo André, danke fürs Mitmachen – wir gehen direkt rein.

„DÆMMERUNG“ wirkt fokussierter und zugleich breiter aufgestellt: Was war euer Leitstern im Studio, damit die Platte nicht „zu viel von allem“ wird?

Für uns war das Bild von Tag und Nacht der Kompass. Wir haben früh gemerkt, dass sich unsere Songs sehr klar in zwei Pole einordnen lassen: die hellen, leichten, nach vorn springenden Tracks und die dunkleren, nachdenklichen, emotionalen Nummern. Dieses Grundgerüst hat uns geholfen, Entscheidungen zu treffen, welche Songs auf das Album kommen und welche draußen bleiben – und zwar ohne, dass wir uns dabei selbst beschneiden mussten. Viele Songs, die wir erst einmal verworfen haben, waren überhaupt nicht schlecht, sie passten nur nicht in die Balance zwischen diesen beiden Polen. Dadurch konnten wir experimentieren, uns entfalten, ohne dass das Ganze am Ende chaotisch wirkt. Am Ende hatte jeder Song seinen Platz, und die Platte fühlt sich für uns wie ein echtes Ganzes an – nicht wie eine Sammlung von Einzeltracks.

Lautstärke 2025

Wo habt ihr im Songwriting bewusst nachgeschärft – mehr Härte, mehr Hooks, mehr Kante in den Texten, mehr Dynamik?

Das kam oft ganz natürlich aus der Stimmung des Songs. Bei manchen Nummern wollte der Song selbst, dass wir mehr Härte reinbringen – etwa durch ein fetteres Riff oder einen aggressiveren Drumsound. Bei anderen ging es mehr um Hooks, die im Ohr bleiben, ohne dass es zu poppig wird. Textlich war uns besonders wichtig, Botschaften klar rüberzubringen. Wir wollten, dass die Menschen sich angesprochen fühlen, ohne dass man ihnen etwas aufdrängt. Gleichzeitig haben wir bewusst Kontraste geschaffen: Songs, die leicht starten, kippen später in Rock-Schärfe, Tracks, die eher zart wirken, bekommen Momente, in denen sie sich aufrichten und laut werden. Diese Dynamik macht für uns einen großen Teil des Spannungsbogens aus, der die Platte trägt.

Wie habt ihr den Kernsound definiert, den ihr auf „DÆMMERUNG“ unbedingt konservieren wolltet – und was durfte im Vergleich zum Debüt ausdrücklich neu sein?

Alles andere durfte wachsen und sich verändern. Wir wollten moderner klingen, wacher, frischer, ohne unseren Kern zu verlieren. Der Produzent Frederic Gieselbach hat da eine Rolle gespielt: Er bringt immer neue Impulse ein, arbeitet detailverliebt, hört genau zu, was die Band will, und kann es musikalisch umsetzen. Das Ergebnis ist eine Platte, die noch runder und lebendiger klingt als das Debüt, aber immer noch klar erkennbar nach uns.

Wie lief die Produktion mit Frederic Gieselbach diesmal ab: eher „Band live einfangen“ oder konsequent Layern, Editieren, Feilen bis zur letzten Nuance?

Eher Letzteres. Wir haben sehr viel Zeit in Heimarbeit und Demo-Überarbeitung gesteckt – manche Demos wurden zehnmal überarbeitet, bevor sie überhaupt in die finale Aufnahme gingen. Es war ein unglaublich detailverliebter Prozess, der uns erlaubt hat, jede Kurve, jedes Riff, jeden Gesang perfekt zu platzieren. Gleichzeitig war es ein bisschen experimentell: Manchmal haben wir Sachen ausprobiert, die wir vorher nie gewagt hätten. Für die Zukunft wollen wir wieder mehr Live-Energie im Studio einfangen, aber für „DÆMMERUNG“ hat dieser extreme Feinschliff die Platte auf ein anderes Level gehoben.

Welche Gitarren- und Bass-Entscheidungen waren für den Sound entscheidend (Stimmung, Gain-Struktur, Riff-Ansatz, Low-End-Management)?

Das war eine Mischung aus Technik, Feeling und Teamarbeit. Wir haben uns bewusst Zeit genommen, um alle Instrumente in den Songs zu formen, damit jeder Track eine eigene Textur hat, aber trotzdem zusammenpasst. Frederic hat da für den Bereich der Synthies einen weiteren Impuls mitgegeben.

Die Platte springt zwischen Indie-/Alternative-Flair und Heavy-Rock-Schub: Nach welchen Kriterien entscheidet ihr, wann ein Song leichtfüßig bleibt und wann er nach vorn treten muss?

Das entscheidet der Song selbst – kein Plan, kein Schema. Stimmung, Text, Melodie, Riff: alles zusammen ergibt die Richtung. Wenn ein Song nach Power schreit, dann lassen wir ihn nach vorn treten, wenn er eher fragil ist, lassen wir ihn schweben. Es geht immer um das Gefühl, das wir vermitteln wollen. Manchmal ist es eine Mischung: leichte Melodie, harter Text – oder umgekehrt. Diese Freiheit macht die Platte spannend und lässt sie lebendig wirken.

Textlich geht’s viel um Selbstbehauptung und Orientierung: Wie vermeidet ihr, dass Botschaften wie Parolen klingen – und haltet sie trotzdem klar?

Indem wir sehr nah an uns selbst und unserem Umfeld bleiben. Songs wie „Kompass“ oder „Anders“ sind direkt aus echten Erfahrungen entstanden – manchmal sehr nah, manchmal nur inspiriert. Wir wollen Gefühle auslösen, die Menschen und uns selbst zum Nachdenken bringen– ohne den Zeigefinger zu heben. Und wir lassen bewusst Interpretationsspielraum: Wer etwas für sich darin findet, darf es finden. Wer nicht, lässt es eben liegen. Ehrlichkeit ist der Schlüssel.

Wenn ihr einen Track von „DÆMMERUNG“ als „Essenz“ von LAUTSTÆRKE nennen müsstet: Welcher wäre das – und warum?

„Anders“ trifft es ziemlich gut. Direkt, ehrlich, mit Haltung, aber trotzdem poppig verpackt. Der Song baut sich insgesamt schön auf. Er polarisiert, aber genau das will er auch. Er zeigt, wer wir sind: nahbar, aber mit klarer Kante, ernsthaft, aber mit Humor.

Schaut hier den Clip zu „Anders“

Ihr habt mit „Schöner Tag“ eine sehr direkte, zynische Nummer im Set: Ist das für euch Ventil, Kommentar – oder live schlicht der perfekte „Abriss“-Moment?

Alles zusammen. Textlich ein gesellschaftlicher Kommentar, musikalisch die pure Energie. Live ein Track, der alles raushaut – den Menschen die Möglichkeit gibt, alles loszulassen. Und ehrlich gesagt: es macht uns selbst auch einen Heidenspaß, ihn zu spielen.

Der Gig als Support für Völkerball am Zülpicher See war für euch ein Schaufenster: Was habt ihr dort über eure Wirkung vor einem großen, gemischten Publikum gelernt?

Der Moment war magisch. Für Erik und Zhen der erste große Gig, Sprung ins kalte Wasser. Wir haben gemerkt, dass das Publikum unsere Songs fühlt – nicht nur hört. Das hat uns gezeigt: Weniger reden, mehr Atmosphäre erzeugen, mehr ins Spiel mit dem Publikum gehen. Wir haben begonnen, Botschaften visuell und emotional greifbar zu machen – ein Riesen-Boost für die Show.

Originalbesetzung Lautstärke:

Tobias – Gitarre & Hintergrundgesang
Marco – Schlagzeug & Hintergrundgesang
André – Gesang
Marvin – Bass & Hintergrundgesang

Mit Marvin und Marco sind nach den „DÆMMERUNG“-Sessions zwei tragende Mitglieder gegangen: Was könnt ihr über die Gründe sagen – und wie habt ihr den Übergang intern aufgefangen?

Manchmal passt die Energie nicht mehr zusammen. Es war eine schwere Zeit, aber sie war notwendig. Wir haben die Band intern neu justiert, Aufgaben anders verteilt, und gleichzeitig Platz für frische Impulse gelassen. Menschlich bleiben wir verbunden, aber mit Blick auf das Fortbestehen der Band und den Release dieses Albums mussten Tobi und ich einfach weitergehen.

Erik und Zhen sind als Ersatzmusiker eingestiegen: Was bringen die beiden charakterlich und musikalisch mit, das LAUTSTÆRKE heute nach vorn schiebt?

Zwei unglaublich motivierte Leute mit neuen Ideen, positiver Reibung und Energie. Sie bringen frischen Wind, neue Diskussionen, neue Perspektiven – und machen die Band dadurch wieder lebendig und experimentierfreudig. Gleichzeitig arbeiten wir weiterhin demokratisch, jede Stimme zählt. Wir haben Lautstaerke 1.0 auf dem Weg zum Albumrelease aufgelöst um Lautstaerke 2.0 zu gründen. Wir haben das ganze auf unserem Youtube-Kanal sarkastisch aufgearbeitet, obwohl es insgesamt keine leichte Zeit war. 

Wie habt ihr die Setlist nach dem Line-up-Wechsel neu justiert – und welche Songs haben live am meisten davon profitiert?

Tracks wie „Schöner Tag“, „Anders“ und „Zug“ profitieren enorm. Die neue Energie und die Inszenierung bringen die Songs auf ein anderes Level. Das macht die Show aufregender für uns und die Zuschauer.

Schaut hier den epischen Clip zu „Nacht“

Ihr arbeitet seit Jahren mit NRT-Records: Was macht diese Labelzusammenarbeit für euch konkret wertvoll – und welche Bereiche steuert ihr weiterhin komplett selbst?

Netzwerk, Vertrauen, kurze Wege, menschliche Zusammenarbeit – ohne dass wir unsere kreative Freiheit verlieren. Sie geben uns Sicherheit, wenn es umMöglichkeiten geht, aber lassen uns trotzdem machen, was wir wollen. Das gibt der Band enormen Freiraum.

„DÆMMERUNG“ erscheint auch physisch: Wie wichtig sind euch CD und Vinyl im Heavy-Kontext – und was soll das physische Produkt transportieren, das digital nicht kann?

Haptik, Atmosphäre, Gesamtkunstwerk. Das kann kein Stream ersetzen. Dasphysische Produkt ist ein Statement und eine Wertschätzung für die Fans. Man hält etwas in der Hand, das mehr ist als nur Musik. Ich selber kann es kaum erwarten.

Zum Schluss: Die letzten Worte gehören euch – was möchtet ihr allen mitgeben, die „DÆMMERUNG“ hören, zu euren Shows kommen oder euch gerade erst entdecken?

Wir sind einfach dankbar für jede einzelne Person, die zuhört, Feedback gibt oder sich von unserer Musik berührt fühlt. Meldet euch, teilt eure Gedanken, wir hören wirklich zu. Das ist der Grund, warum wir all das machen: Musik, die verbindet, die berührt, die nicht nur im Ohr, sondern auch im Herzen bleibt.

Konzerte mit Völkerball, ein Sieg beim bigFM-Wettbewerb und ein Sound, der deutschen Indie-Rock-Fans ebenso abholt wie Freunde der Toten Hosen: LAUTSTÆRKE solltet ihr unbedingt auf dem Radar haben – und vor allem in den Ohren.

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