QX The Great – „The Nomad“ als globaler Soundtrip zwischen Straße, Seele und Afrobeats (Audioplaylist) [ Afrobeats | UK Drill | Alternative Rap ]

Wenn ein Künstler sich selbst QX The Great nennt, kann das schnell nach Größenwahn klingen. Doch schon nach wenigen Minuten auf „The Nomad“ ist klar: Hier wird nicht nur ein Name verteidigt, hier wird ein Anspruch formuliert. Der in Nigeria geborene, in England verwurzelte Rapper macht aus seinem zweiten Soloalbum eine Art Reisepass in Soundform – irgendwo zwischen Afrobeats, UK-Drill, Neo-Soul, Alternative Rap und klassischem Straßenfilm. „The Nomad“ ist das Gegenteil von Schubladendenken: ein globales Projekt mit klarer Handschrift, das trotzdem fühlbar aus echten Erfahrungen und realen Struggles kommt.

Erlebt hier die EP „The Nomad“ von QX The Great

Als Prequel zur EP „A Bed Of Dead Roses“ gedacht, wirkt „The Nomad“ wie das erste große Kapitel einer länger erzählten Story. Statt einzelne Singles auf Streaming-Tauglichkeit zu trimmen, baut QX The Great ein durchkomponiertes Album, das sich eher wie ein Film anfühlt: verschiedene Szenen, unterschiedliche Stimmungen, aber eine klare Hauptfigur. Und die ist kein glattgebügelter Überflieger, sondern ein moderner Nomade, der mit jedem Step die Grenze zwischen Afrika, Europa und dem Rest der Welt ein Stück weiter auflöst.

Afrobeats im Hinterkopf, Drill im Blut

Der Opener „Final Drip“ macht direkt deutlich, was QX The Great als Rapper auszeichnet: Technik, Gefühl und Gespür für Bilder greifen hier perfekt ineinander. Über einem Beat, der sich irgendwo zwischen modernem Reggae, Trap und R&B einpendelt, erzählt er eine Geschichte, die sich nicht nach Fiktion, sondern nach echtem Leben anfühlt. Der Bass schiebt, die Drums stampfen, kleine Melodiefragmente halten die Spannung hoch – und trotzdem bleibt genug Platz für seine Stimme, die mal entspannt gleitet, mal scharf akzentuiert.

Abz Jaguar übernimmt den Refrain und packt noch eine zusätzliche Ebene Eingängigkeit obendrauf. Die Hook sitzt sofort, ohne billig geschrieben zu wirken. Genau hier liegt eine große Stärke von „The Nomad“: QX The Great schreibt Songs, keine bloßen Rap-Skizzen. „Final Drip“ ist Club-tauglich und zugleich Kopfhörer-Material – tanzbar, aber mit Substanz. Der Mix aus Afrobeats-Vibes, Trap-Ästhetik und einer gewissen britischen Härte sorgt dafür, dass man den Track genauso gut im Nightlife wie auf dem Nachhauseweg fühlen kann.

Auch im weiteren Verlauf lässt sich QX The Great nicht auf ein Genre festnageln. Die Drill-DNA zeigt sich in den Drums, der Attitüde und einzelnen Flow-Wechseln, während Neo-Soul-Einflüsse immer wieder weiche Kanten in den Sound fräsen. Genau diese Mischung macht „The Nomad“ spannend: Es ist kein Afrobeats-Album, kein Drill-Tape, keine klassische Rap-LP – und gerade deshalb klingt es wie ein aktuelles Abbild dessen, wie globaler Rap 2025 funktionieren kann.

Malaika: Schwebender Soul statt Schema F

„Malaika“ setzt den Fokus dann stärker auf Atmosphäre. Sphärische Synths, verträumte Vocal-Samples und ein Arrangement, das sich langsam, aber stetig aufbaut, geben dem Track eine fast filmische Weite. Die Drums bleiben Trap-orientiert, aber sie drängen sich nie in den Vordergrund, sondern tragen den Song wie eine Welle. Über diesem Untergrund zeigt QX The Great, wie mühelos er zwischen Rap, Gesang und melodischem Sprechfluss wechseln kann, ohne dass der Vibe kippt.

Inhaltlich bewegt sich „Malaika“ zwischen Sehnsucht, Spiritualität und einer sehr persönlichen Form von Hoffnung. Statt platte Liebesfloskeln oder überspielte Härte zu liefern, öffnet QX The Great einen Raum, in dem Verletzlichkeit erlaubt ist. Er klingt sicher, aber nicht unantastbar; stark, aber nie unnahbar. Das Zusammenspiel aus orchestralen und elektronischen Elementen im Beat sorgt dafür, dass der Track sich weder nach reiner Straßen-Hymne noch nach reinem Soul-Song anfühlt – eher wie ein Zwischenzustand, in dem beide Welten gleichzeitig existieren.

Gerade diese Stücke machen deutlich, warum „The Nomad“ mehr ist als nur eine weitere Release im Überangebot. QX The Great liefert keine austauschbaren Streaming-Füller, sondern Songs mit eigener Dramaturgie. „Malaika“ wirkt wie die Szene in einem Film, in der die Hauptfigur kurz innehält, in den Himmel schaut und sich fragt, wie es weitergehen soll – bevor sich die Geschichte im nächsten Moment wieder verdichtet.

Ebute Metta & Keep Ya Head High: Straße, Druck, Durchhalten

Mit „Ebute Metta“ zieht QX The Great das Tempo wieder an. Der Drumbeat ist progressiv, fast nervös, und peitscht den Song nach vorne. Elektronische Piano-Sounds, druckvolle Elemente und Gitarrenfragments bauen ein dichtes Sounddesign, das sofort in die Beine geht. Hier zeigt sich seine Vielsprachigkeit als echtes Stilmittel: Zwischen unterschiedlichen Sprachen und Einflüssen hin- und herzuspringen wirkt bei ihm nicht wie Show, sondern wie Alltag. „Ebute Metta“ ist damit genau dieser internationale Club-Track, der trotzdem tief in seiner persönlichen Geschichte verwurzelt bleibt.

Die Übergänge zwischen Sprachen und Stimmungen erinnern an die Realität vieler Kids, die mit mehreren kulturellen Codes gleichzeitig aufwachsen. QX The Great verkauft das nicht als Exotik, sondern als Normalität – und genau das macht ihn so glaubwürdig. Der Song bewegt sich am Rand des Hektischen, bleibt aber immer kontrolliert. Tanzbar, ja. Aber eben nicht leer.

„Keep Ya Head High“ markiert einen emotionalen Höhepunkt von „The Nomad“. Die Nummer ist weniger auf Banger-Effekt getrimmt, sondern klar als Straßen-Hymne konzipiert. Der Beat verbindet soulige Harmonien mit einer straighten Drumline, die immer wieder nach vorne drückt. Inhaltlich geht es um das, was viele Rap-Fans sofort connecten: Durchhalten, wenn alles gegen dich läuft; Stolz bewahren, auch wenn keiner an dich glaubt; den Kopf oben behalten, obwohl die Realität manchmal tief schlägt.

QX The Great rappt hier weniger aus der Pose, sondern aus Erfahrung. Seine Zeilen klingen nicht nach Motivationsposter, sondern nach Gesprächen aus dem echten Leben. Er zeigt Fehler, Zweifel, Brüche – und macht gerade dadurch Mut. „Keep Ya Head High“ ist einer dieser Songs, die man spät in der Nacht auf Repeat hören kann, wenn der Tag zu schwer war, um ihn einfach wegzuschlafen.

Million Dollar & das große Ganze

Zum Schluss fährt „The Nomad“ mit „Million Dollar“ noch einmal alles auf, was das Album als Gesamtwerk stark macht. Der Track startet ruhig, mit einer tiefen, fast meditativen Klangästhetik. Man spürt Entspannung, aber auch unterschwellige Spannung – als würde QX The Great noch einmal Bilanz ziehen, bevor er das Kapitel schließt. Wenn dann die druckvolle Bassdrum einsetzt und der Beat in klassischen Hip-Hop-Modus schaltet, zeigt er ein weiteres Mal, wie sicher er sich in unterschiedlichen Rhythmusmustern bewegt.

Sein Flow bleibt präzise, aber nie verkrampft. Er setzt Silben, lässt Luft, spielt mit Pausen. Das Sounddesign ist detailverliebt, ohne überladen zu wirken – jedes Element hat seinen Platz. „Million Dollar“ wirkt wie der Punkt am Ende eines langen Satzes: kein lautes Ausrufezeichen, sondern ein bewusst gesetzter Abschluss, der das bisher Gehörte zusammenfasst und ausklingen lässt. Gleichzeitig bleibt genug offen, um neugierig auf das zu machen, was noch kommen könnte.

Als Gesamtwerk balanciert „The Nomad“ beeindruckend sicher zwischen Straße und Emotion, zwischen Dancefloor und Tiefgang. QX The Great beweist, dass revolutionäre Themen und emotional aufgeladene Geschichten nicht im Widerspruch zu massentauglichen Hooks und starken Beats stehen müssen. Afrobeats, Drill, Neo-Soul und Alternative Rap sind hier nicht bloße Referenzen, sondern Bausteine einer eigenen Klangidentität.

Unsere Wertung:

➤ Songwriting: 9 von 10 Punkten
➤ Komposition: 9 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 9 von 10 Punkten
➤ Produktion: 8 von 10 Punkten

➤ Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Unser Fazit:

Abschließend gesagt ist „The Nomad“ ein Album, das man nicht nur nebenbei weghört. Es lohnt sich, in die Details zu gehen, die Texte mehrmals zu checken und die Reise als Ganzes mitzunehmen. QX The Great liefert hier ein starkes Statement ab: Er ist nicht einfach ein weiterer Name im internationalen Rap-Kosmos, sondern ein Artist, der bereit ist, aus seinen Geschichten eine Bewegung zu formen – ohne große Parolen, aber mit umso mehr Substanz.

Mehr zu QX The Great im Netz:

QX The Great bei den Musikdiensten:
https://distrokid.com/hyperfollow/qxthegreat/the-nomad/

QX The Great bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/album/4qwzgwvmn8ZWddopMqGLtC

QX The Great bei Apple Music anhören:
https://music.apple.com/album/the-nomad-ep/1758640093

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