Live-Alben fristen im ‚Lauschangriff’ von ‚Easy Monday’ ein eher dürftiges Dasein. Abgesehen von BONFIREs „Live On Holy Ground – Wacken 2018“ (Frühsommer 2018) und „Live At The Jovel“ (2022) von IVY GOLD wurde diese Ehre, mit der normalerweise nur Studio-Alben bedacht werden, in all den vielen Jahren dieses Features keinem weiteren Konzert-Mitschnitt zuteil. Aber kürzlich ist mir mit „Live At The Victoria Teatern“ von MUDDY WHAT? unverhofft ein Doppeldecker ins Studio geflattert, der sich mit einer unglaublichen Lässigkeit geradezu für dies Feature aufdrängt.
„Live At The Victoria Teatern“ ist – nach „Blues For You – Live“ (2020) – das mittlerweile zweite Live-Album von insgesamt fünf Alben, die das Münchener New Blues Trio bisher veröffentlicht hat. Eine Tatsache, die unmissverständlich verdeutlicht, dass der Fokus der Band um das Geschwister-Paar Ina (Leadgitarre/ Madoline) und Fabian Spang (Gesang/ Gitarre) eindeutig auf Live-Musik ausgerichtet ist. Aber nun endlich ans Eingemachte: „Live At The Victoria Teatern“ wartet mit zwölf spannenden und improvisationsgeladenen Songs auf, die sich aus einer ausgewogenen Mischung von eigenen Songs und einigen – im positiven Sinne – sehr gekonnt ‚eigensinnig’ interpretierten Klassikern zusammensetzt. Darunter u. a. die nahezu ausufernd-lässige Fassung von „Honky Tonk Women“, einer von gleich zwei ROLLING STONES-Nummern, denen das Münchener Trio für dieses Live-Doppelalbum ein richtig lockeres – ja fast hypnotisierendes – Gewand verpasst hat. Diese betörenden Vibes ziehen sich wie ein schier nicht enden wollender roter Faden durch die gesamte Spielzeit von fast 80min, was nicht zuletzt am nahezu bezirzenden Gesang von Fabian liegt, sondern auch an dem elektrisierenden und facettenreichen Gitarren-Spiel seiner Schwester, das den Zuhörer vom ersten Takt an regelrecht mitnimmt, und der latent-entspannten Rhythmusarbeit von Schlagzeuger & Bassist Michi Lang, der mich in seiner Lässigkeit fast ein wenig an Frank Beard von ZZ TOP erinnert.

Letzterer stellt mit „Bassman“, einem Instrumental, das die zweite CD eröffnet und seinem Titel alle Ehre macht, tatkräftig unter Beweis, dass er nicht nur hinter den Drums, sondern auch am Tieftöner sein Fach richtig gut versteht. Ein weiterer Earcatcher ist die Interpretation von „Purple Haze“. Im Vergleich zum Original von JIMI HENDRIX kommt die spannend aufgebaute Version von MUDDY WHAT? geradezu mit einer in sich vereinnahmenden Überdosis Funk und garniert mit einem feinen Schlagzeug-Solo ums Eck. Aber ich will hier nicht den Eindruck erwecken, dass auf „Live At The Victoria Teatern“ nur die wirklich fabelhaften Cover-Ausführungen das Salz in der Suppe sind. – Nein, ganz im Gegenteil, denn zu den absoluten Highlights der Scheibe gehören für mich ganz klar die eigenen Songs des Münchener Trios. Allem voran das leicht swingende – ja fast latinmäßige – und relativ kurzgehaltene „Uncontainable“ oder der beinahe schon schleichende Blueser „Shoelace Fuss“ sowie „Spider Legs“, dem Titeltrack ihrer vierten Scheibe, der von faszinierendem Mandolinenspiel getragen wird.
Unsere Wertung:
➤ Songwriting: 10 von 10 Punkten
➤ Komposition: 9 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 9 von 10 Punkten
➤ Produktion: 10 von 10 Punkten
➤ Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten
Unser Fazit:
„Live At Victoria Teatern“ wirkt trotz seiner verspielten und stellenweise oft recht verschachtelten Improvisations-Passagen zu keinem Zeitpunkt langatmig oder gar strapaziös. Vielmehr entwickelt sich mit zunehmender Spieldauer jede weitere gespielte Note zu einem wahrhaften Ohrenschmaus. Auch wenn diese Live-Konserve die besten Momente aus insgesamt zwei ausverkauften Shows in dieser legendären Location in Malmö/ Schweden widerspiegelt, hat man beim Hören von „Live At Victoria Teatern“ trotzdem das Gefühl, als wäre man an einem Abend direkt vor Ort dabei gewesen und möchte nach dem Ausklingen der letzten Nummer nicht wahrhaben, dass dieser Hörgenuss nun tatsächlich sein Ende nimmt. Also, gleich nochmals von vorne diesen – mal modernen und innovativen, aber auch rauen und erdigen – tief im Delta-Blues verwurzelten Klängen von MUDDY WHAT? ganz entspannt und hingebungsvoll lauschen.
Mehr zu MUDDY WHAT? im Netz:
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