Elektronischer Synth Pop wie er in den 1980ern populär war, kurz New Wave bzw. Synth Wave, das bietet Pol Sembrano auf seinem gleichnamigen Debütalbum, und überzeugt mit einem Sound, der bestens für Fans des Sounds der 80er, genauer gesagt New Order, Depeche Mode und auch den Pet Shop Boys geeignet ist. Und auch wenn Retro auf dem Programm steht, wirkt dieses Album zeitlos, fantastisch komponiert und klanglich so sorgfältig designt, dass es eben nicht wie eine müde Neon-Attrappe aus dem Nostalgie-Schaufenster klingt. Pol Sembrano macht auf „Pol Sembrano“ nämlich nicht den Fehler vieler Retro-Pop-Adepten, die meinen, ein paar analoge Synths und ein stoischer Drumcomputer würden schon reichen, um wieder 1985 zu beschwören. Tun sie nicht. Was reicht, sind starke Songs, tragfähige Melodien, Gefühl für Dramaturgie und ein Arrangement, das mehr kann als bloß dekorativ zu blinken. Genau das liefert dieses Debüt. Die neun Tracks sind tanzbar, eingängig, bisweilen melancholisch und vor allem so gebaut, dass sie trotz klarer Referenzen nie wie bloße Kopien wirken. Das Album klingt, als wäre es damals erdacht und heute mit der nötigen klanglichen Präzision zu Ende gebracht worden. Ein ziemlich reizvolles Paradoxon.
Retro, aber bitte mit Substanz
Schon „Open Mind“ zeigt ziemlich deutlich, dass Pol Sembrano nicht bloß Sound tapetenweise an die Wand klatscht, sondern versteht, wie man Atmosphäre baut. Der Song bleibt im mittleren Tempo, lebt von einem satten 4/4-Puls, tragenden Synth-Bässen und hellen, schimmernden Flächen, die genau jene Mischung aus Pathos und Club-Eleganz erzeugen, an der so viele andere scheitern. Darüber liegt sein markanter Altgesang, der dem Track Schub und Ernst verleiht. Inhaltlich geht es um Akzeptanz, Unterstützung und Widerstand gegen Ausgrenzung, und erstaunlicherweise kippt das nie in peinliche Kalenderspruch-Lyrik. „Anywhere“ geht noch unmittelbarer in die Beine. Das ist der Song für den Dancefloor, aber eben nicht im billigen Hedonismus-Modus. Stattdessen klingt hier Reiselust, Verbundenheit und ein fast euphorischer Drang nach Bewegung durch. Man hört förmlich, dass Pol Sembrano seine Musik nicht als Kulisse, sondern als Erfahrungsraum versteht. Entscheidend ist dabei, wie sauber das Sounddesign arbeitet: Die Synths glänzen, ohne zu nerven, die Hooks sitzen, ohne sich anzubiedern, und das Arrangement weiß ziemlich genau, wann es schieben und wann es schweben muss.
Mit „Pedestal“ wird es dann größer, langsamer und hypnotischer. Der längste Song des Albums beginnt zurückhaltend, fast vorsichtig, zieht den Hörer aber mit warmen Flächen, betonter Bassdrum und fein eingewobenen Lead-Sounds immer tiefer hinein. Das ist eine New Wave-Ballade, die nicht auf Kitsch setzt, sondern auf Sogwirkung. Auch „On That Day“ funktioniert stark, weil der Song diese sommerliche Leichtigkeit besitzt, die an manchen Stellen tatsächlich an Dead Or Alive denken lässt. Tanzbar, eingängig, poppig – aber nicht hohl. Genau darin liegt die Stärke dieses Albums: Es will gefallen, ohne sich billig zu machen.
80er-Fetisch? Ja, Aber weit mehr als das!
Dass „Pol Sembrano“ nicht auf halber Strecke einknickt, ist der zweite große Pluspunkt. „Number“ klingt nach potenziellem Radiohit, weil hier Komposition und Arrangement sauber ineinandergreifen. Das erinnert mit seinen Drum-Sounds an LinnDrum– und Simmons-Ästhetik, ohne in musealen Stillstand zu verfallen. „Nothing To Say“ kommt dunkler und progressiver um die Ecke, beinahe mit einem kleinen Tech-Noir-Schimmer, während „Why On Earth“ stärker auf Pop-Offenheit setzt und trotzdem nicht in Belanglosigkeit abrutscht. „Meet Me There“ drückt wieder klar Richtung Club und zieht seine Energie aus Hi-NRG-Reflexen, ohne dabei geschniegelt zu wirken. Und „Fall“ beendet das Album als leidenschaftliche Ballade, die Klavier und Synthesizer so zusammenführt, dass der Abschied nicht nach Pflichtübung, sondern nach echtem Finale klingt.
Unsere Wertung:
➤ Songwriting: 9 von 10 Punkten
➤ Komposition: 8 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 9 von 10 Punkten
➤ Produktion: 8 von 10 Punkten
➤ Gesamtwertung: 7,75 von 10 Punkten
Unser Fazit:
Am Ende bleibt ein Debüt, das erstaunlich geschlossen, stilbewusst und musikalisch treffsicher ausfällt. Pol Sembrano beherrscht Sounddesign, Arrangement und Songwriting so souverän, dass dieses Album eben nicht als bloße Referenzschleuder verpufft. „Pol Sembrano“ ist kein Retro-Gimmick für Menschen, die beim ersten Synth-Pad feuchte Augen bekommen. Es ist eine ernstzunehmende, klug gebaute und sehr eingängige Platte zwischen Synthpop, New Wave und elegantem Electropop, die ihre Vorbilder kennt, aber genug Persönlichkeit besitzt, um nicht in deren Schatten zu verschwinden. So muss das klingen, wenn Nostalgie auf kompositorische Klasse trifft.
Trackliste
- Open Mind
- Anywhere
- Pedestal
- On That Day
- Number
- Nothing To Say
- Why On Earth
- Meet Me There
- Fall
CREDITS
Interpret: Pol Sembrano
Titel: „Pol Sembrano“
Herkunft: Philippinen
Format: Album
VÖ: 20. Februar 2026
Genre: Synth Pop | New Wave | Electronic | Dance | Indie Pop
Label: Independent
Mehr zu Pol Sembrano im Netz
Pol Sembrano – Die offizielle Webseite:
https://polsembranomusic.com
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Pol Sembrano bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/5n6eyDpDiKTKxG9BTPAC00
