Not Alice & Brutu Music – „Hook And Ladders“ als wilder Aufstand gegen den Status quo (Musikvideo) [ Alternative | Alternative Rock | Crossover ]

Wenn sich eine kompromisslose Rock-Individualistin wie Not Alice mit Beat-Tüftler Brutu Music zusammentut, riecht das nach Risiko – und nach genau der Art Wagnis, die moderner Rock heutzutage dringend braucht. Ihre gemeinsame Single „Hook And Ladders“ zündet wie ein Streichholz im Benzinfass: irgendwo zwischen Desert-Rock-Fata Morgana, Großstadt-Neon und der inneren Rebellion eines Menschen, der sich schlicht weigert, in irgendeine Schublade zu passen.

Not Alice & Brutu Music – Hook and Ladders – Schaut hier den Clip

Staub, Schweiß und Synthesizer

Schon die ersten Takte von „Hook And Ladders“ machen klar, dass hier niemand auf Nummer sicher geht. Ein trockenes Drum-Pattern marschiert nach vorne, die Gitarre zieht staubige Riffs wie Hitze-Schlieren in den Horizont, während im Hintergrund elektronische Schattierungen flackern. Brutu Music stapelt Groove auf Groove, lässt Bass und Drums schwer, aber punktgenau einschlagen und poliert die Oberfläche mit subtilen Synth-Layern, die eher Spannung aufbauen, als sich in den Vordergrund zu drängeln. Desert Rock trifft Club-Erfahrung – aber ohne EDM-Folklore, dafür mit dreckiger Rock-Attitüde.

Die Produktion wirkt gleichzeitig erdig und cineastisch. Brutu Music gönnt sich keine überflüssigen Spielereien, sondern arbeitet mit Kontrasten: enge Strophen, die fast klaustrophobisch wirken, treffen auf breit aufgefächerte Refrains, die den Song plötzlich öffnen und Luft reinlassen. Wenn die Gitarren sich im Chorus von „Hook And Ladders“ noch etwas weiter aufbäumen, schiebt der Mix sie gerade so weit nach vorne, dass sie die Vocals umrahmen, nicht erschlagen. Alles sitzt, nichts wirkt zufällig – und trotzdem klingt das Ergebnis angenehm ungekämmt.

Was am meisten hängen bleibt: Dieser Track wirkt nicht wie das Produkt eines anonymen Streaming-Algorithmus, sondern wie eine echte Studio-Begegnung. Not Alice und Brutu Music klingen, als hätten sie sich gegenseitig immer wieder angestachelt, noch einen Millimeter weiter zu gehen – lauter, tiefer, kantiger. „Hook And Ladders“ ist kein glattgeschliffener Genre-Hybrid, sondern ein Stück, das im besten Sinne nach Schweiß, Zweifel und Mut riecht.

Die Außenseiterin ergreift das Wort

Im Zentrum von „Hook And Ladders“ steht die Stimme von Not Alice – und die ist alles andere als gefällig. Mal warm und umarmend, dann wieder aufgeraut und bis zum Anschlag angespannt, bewegt sie sich genau auf dieser feinen Linie zwischen Stärke und Zerbrechlichkeit, die ihre Bio verspricht. Die Rolle derjenigen, „die nicht ins sogenannte Status Quo-Bild passt und wild und frei sein will“, nimmt Not Alice nicht nur textlich ein, sie lebt sie hörbar in jeder Silbe.

Die Strophen von „Hook And Ladders“ trägt sie kontrolliert, fast zurückgenommen – als würde sie die Situation sondieren, die anderen erst mal reden lassen. Sobald der Refrain aufbricht, kippt die Stimmung. Dann wird aus der inneren Beobachterin diejenige, die die Tür auftreten und einfach raus in die Nacht rennen will. In diesen Momenten erinnert Not Alice an die goldenen Zeiten des Alternative Rock, als Emotion noch wichtiger war als perfekte Intonation, ohne dabei in Nostalgie zu verfallen. Sie phrasiert clever, nutzt Pausen genauso intensiv wie hohe Töne und beweist damit, dass ihr Ruf als vielseitige Songwriterin und Komponistin keine PR-Leerformel ist.

Textlich bleibt „Hook And Ladders“ angenehm offen. Statt die Rebellion mit der Holzhammer-Metapher auszubuchstabieren, setzt der Song auf Bilder und Andeutungen: Leitern, die aus dem brennenden Haus führen könnten, Haken, an denen man hängt – oder sich eben bewusst losreißt. Not Alice singt keine Empowerment-Parole zum Mitgrölen, sondern zeichnet das Porträt einer Figur, die sich aus Erwartungen löst, ohne schon alle Antworten zu haben. Gerade dieser Zwiespalt macht den Song glaubwürdig.

Not Alice mit freundlicher Genehmigung durch die Künstlerin gepostet

Brutu Music zwischen Rockband und Maschinenpark

Man hört Brutu Music seine Vergangenheit im elektronischen Sektor an – und genau das rettet „Hook And Ladders“ davor, bloß ein weiterer Gitarrenrock-Track zu sein. Die Drums sitzen mit Produzenten-Präzision, jeder Schlag hat Gewicht und Funktion. Die Bassline groovt nicht nur, sie führt den Song. Darüber legt Brutu Music Gitarren, die mal staubtrocken riffen, mal in kurzen, melodischen Linien wie Hitzeflimmern über dem Arrangement liegen. Statt die Elektronik plakativ nach vorne zu ziehen, verschmilzt er sie mit dem organischen Gerüst – das Ergebnis: ein Sound, der sich sowohl auf der Club-PA als auch im verschwitzten Kellerclub wohlfühlt.

Besonders stark ist das Gespür für Dynamik. Brutu Music gönnt Not Alice in den ruhigeren Momenten Raum, zieht im Hintergrund die Intensität zurück, um sie im nächsten Takt wieder mit voller Wucht aufzudrehen. Breaks und kleine Fills in „Hook And Ladders“ sind nie bloß Staffage, sondern setzen bewusst Stolpersteine ins sonst so flüssige Riff-Gewitter. So entsteht ein Song, der zwar sofort ins Ohr geht, aber nicht bereits beim zweiten Durchlauf durchschaut ist.

Auch das visuelle Umfeld – das offizielle Video zu „Hook And Ladders“ – fügt sich schlüssig ins Gesamtbild. Statt überproduzierter Spektakel sehen wir Bilder, die die innere Spannung des Songs spiegeln: Hitze, Bewegung, Blicke, die mehr sagen als jede Storyline. Es ist dieser Schulterschluss aus Ton und Bild, der die Kollaboration von Not Alice und Brutu Music endgültig aus dem Feld „Nettes Projekt“ heraushebt und in Richtung ernsthafte künstlerische Partnerschaft schiebt.

Mehr als nur ein Versprechen

„Hook And Ladders“ ist keine Revolution, aber ein deutliches Statement. Not Alice zeigt, wie sich moderne Rockmusik anfühlen kann, wenn sie sich nicht zwischen Vintage-Posing und stromlinienförmiger Streaming-Ware entscheiden will. Brutu Music beweist, dass elektronische Produktions-Erfahrung kein Feind von Gitarren ist, sondern genau der Funke, der ein halbwegs vertrautes Setting plötzlich neu leuchten lässt. Gemeinsam erschaffen sie einen Track, der die Tür zu einem größeren Universum aufstößt – einer Welt, in der sich Wüstenstaub, Neonlicht und emotionale Offenheit ohne Widerspruch die Hand geben.

Als Standalone-Single funktioniert „Hook And Ladders“ schon jetzt hervorragend: eingängig genug, um im Kopf kleben zu bleiben, eigenwillig genug, um nicht in der Masse zu verschwinden. Aber man hört dem Stück auch an, dass da noch mehr schlummert: mehr Geschichten, mehr Brüche, mehr Experimente. Sollte dieses Kapitel von Not Alice und Brutu Music weitergeschrieben werden, könnte sich hier eine Kollaboration herauskristallisieren, die in der zeitgenössischen Rock-Landschaft ein echtes Ausrufezeichen setzt.

Unser Fazit:

Bis dahin bleibt „Hook And Ladders“ ein starkes Lebenszeichen zweier Künstler, die keine Angst vor Kanten haben. Ein Song für alle, die sich im Mainstream nicht wiederfinden, aber trotzdem nicht auf große Hooks verzichten wollen. Und ein weiterer Beweis dafür, dass man Rock im Jahr 2025 nicht neu erfinden muss – es reicht, ihn endlich wieder ernst zu nehmen.

Mehr zu Not Alice & Brutu Music im Netz:

Not Alice bei Instagram:
https://www.instagram.com/b_does_learning/

Brutu Music bei Instagram:
https://www.instagram.com/evisambo/

Hook And Ladders bei Spotify:
https://open.spotify.com/track/6C1xJBu8szFu7zbJ7UCTUv

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