Family Guy: Halloween-Special – zwischen Klamauk und kaltem Grauen (Review) [ Adult Cartoon | Comedy | Drama ]

„Family Guy“ wagt mit dem Hulu-Exklusivspecial „Peter, Peter, Pumpkin Cheater“ jenes festlich-makabre Spagat-Manöver, das Halloween-Folgen in Animationsserien seit jeher so reizvoll macht, nämlich zwischen ausgelassener Klamotte und tatsächlich unheimlicher Zuspitzung zu pendeln, und es gelingt bemerkenswert gut, weil die Episode den Mut hat, ihre beiden Pole — den klebrig überzuckerten Kürbiswettbewerb in Quahog und die zunehmend beklemmende Dynamik rund um Stewie Griffin, Brian und den zum Leben erwachten Rupert — nicht nur parallel zu erzählen, sondern ineinander spiegeln zu lassen, sodass sich das laute, orangefarbene Spektakel vorn auf der Bühne mit einem schleichend kalten Schatten im Hintergrund verschränkt, der der Folge ein Gewicht verleiht, das über den Feiertagsanlass hinausweist.

Schaut hier den Trailer (Achtung englische Sprache)

Worum geht es in „Peter, Peter, Pumpkin Cheater“?

Im Zentrum steht zunächst der alljährliche Kürbis-Wettstreit von Quahog, bei dem Peter Griffin zusammen mit seinen notorisch verlässlich-unzuverlässigen Freunden alles daransetzt, Lokalgröße Patrick McCloskey zu entthronen, und zwar mit jener Mischung aus großspuriger Selbstüberschätzung und liebenswerter Tollpatschigkeit, die Peter seit Jahren definiert; was als harmlose Rivalität beginnt, entwickelt schnell die Form eines eskalierenden Possenspiels, in dem Regelwerk, Fairness und gesunder Menschenverstand so flexibel gebogen werden, bis sie wie der Deckel eines viel zu prall gefüllten Kürbisses schlußendlich mit einem dumpfen Plopp durchs Bild fliegen, während zugleich — und hier entfaltet sich das eigentlich Spannende — in der Parallelhandlung ein Streit zwischen Stewie Griffin und Brian über ein Halloween-Paarkostüm so sehr am Stolz des Wunderkindes kratzt, dass Stewie in einem Anfall aus verletzter Eitelkeit und forscher Genialität seinen Teddybären Rupert tatsächlich zum Leben erweckt, woraufhin der vermeintlich harmlose Kuschelfreund eine kühle, besitzergreifende Logik entwickelt, die nicht nur Brian ins Visier nimmt, sondern dem gesamten Gefüge der Griffins jene brüchige Normalität entreißt, die in „Family Guy“ ohnehin immer nur auf Zeit gilt, bis das Badezimmerfinale — ekelhaft, komisch, schmerzhaft — den Vorhang mit einer Mischung aus Lachen und Beklommenheit fallen lässt und Stewie auf sehr „Family Guy“-typische Weise wieder „Ordnung“ schafft.

Halloween-Flair: Karamellierter Klamauk trifft kalte Konturen

Der Reiz dieser Episode liegt nicht allein im Einfall, Rupert sprechen und handeln zu lassen, sondern darin, wie die Inszenierung mit der Jahreszeiten-Ästhetik spielt: klebrige Süßigkeitenfarben, funkelnde Lichterketten, übergroße Dekorationen und jener eigenartige, von Nebelmaschinen geschwängerte Spätherbsthauch, der über allem liegt, kontrastiert mit einer Bildsprache, die in den Stewie-Szenen unverhohlen an Frankenstein- und Slasher-Ikonografie erinnert — harte Schatten, lange Gänge, die Silhouette eines harmlosen Spielzeugs, das plötzlich nicht mehr harmlos erscheint; und so entsteht jenes angenehm-fiese Gefühl, dass hinter der Pappmaché-Fassade eines Kürbisfests jederzeit eine Spitze lauern könnte, an der man sich schneiden kann, während die Gags (Running Gags, Seitengucker, absurde Einschübe) wie von selbst aus dem Takt des Ortes geboren scheinen, ohne die straff erzählten 20-plus Minuten zu zerfransen.

Struktur & Timing: Keine Anthologie, sondern zwei sauber verzahnte Achsen

Bemerkenswert ist die Entscheidung, auf die übliche Dreiteilung vieler Feiertagsfolgen zu verzichten: Statt einer Anthologie, die oft wie ein Gag-Buffet wirkt, erhält „Peter, Peter, Pumpkin Cheater“ zwei klar definierte Plotachsen, die sich abwechseln, spiegeln und schließlich in Stimmung und Konsequenz ineinander greifen; diese dramaturgische Schlichtheit schafft Raum für Rhythmus — die Schnittpunkte sitzen, die Prelaps (also Töne, die bereits in die nächste Szene hineinragen) werden mit sichtlicher Freude gesetzt, die Punchlines bekommen Luft zum Atmen, und wenn das Tonbild plötzlich kippt, dann nicht, weil eine skriptische Volte es befiehlt, sondern weil der Weg dorthin mit kleinen Vorzeichen sorgsam gepflastert wurde, sodass der Wechsel von ausgelassener Blödelei zu unbehaglicher Intimität plausibel und schneidend zugleich gerät.

Figurenarbeit: Stewie, Brian und der Schatten von Rupert

Die Episode funktioniert deshalb so stark, weil sie eine altbekannte Konstellation neu beleuchtet: Stewie Griffin und Brian, das smarte Baby und der sarkastische Hund, die seit Jahren zwischen symbiotischer Zuneigung, Rivalität und gegenseitiger Instrumentalisierung oszillieren, werden durch Rupert — eigentlich Symbol einer infantilen Sehnsucht — mit einer Frage konfrontiert, die größer ist als ein Kostümstreit, nämlich: Was passiert, wenn Projektionen plötzlich zurückblicken? Stewie erlebt seine eigene Bedürftigkeit in Form einer kalten, fast mathematischen Besitzlogik, die Rupert als lebendige Figur verkörpert, während Brian seine ironische Distanz für einen Moment verliert und Verletzlichkeit zeigen muss; das ist klug, weil es beide Figuren zwingt, jene Anteile von sich zu erkennen, die sie sonst wegwitzeln — und es ist effektiv, weil der Humor gerade im Reibungsfeld dieser Erkenntnis zündet.

Gaststars mit Wirkung: Glen Powell und Sir Derek Jacobi

Glen Powell stattet Patrick McCloskey mit der geschmeidigen Selbstzufriedenheit eines Dauerchampions aus, die schon in der ersten Silbe mitschwingen lässt, dass es ihm nicht nur um einen Preis, sondern um Status geht; Sir Derek Jacobi wiederum leiht Rupert ein Timbre von kühler Würde, das so elegant artikuliert, dass jede simple Drohung doppelt schneidet, weil sie nicht brüllt, sondern konstatiert — und diese Stimme, die man anderswo mit Hochkultur verbindet, als Trägerin eines eifersüchtigen Plüschwesens zu hören, ist ein kalkulierter, herrlicher Bruch, der die Unheimlichkeit dorthin trägt, wo sie am besten wirkt: mitten in den Witz hinein.

Deutsche Fassung: Abschied von Frank Engelhardt (✝︎78) und der Antritt von Thomas Wenke

Jahrelang prägte Frank Engelhardt (✝︎78), der im September 2024 an einem Schlaganfall verstarb, die deutsche Stimme von Brian — warm, leicht abgeklärt, mit jenem trockenen Zug, der Zynismus und Zuneigung in derselben Atembewegung denken konnte; aus gesundheitlichen Gründen gab er die Rolle vor seinem Tod ab, und nun hören wir Thomas Wenke als Brian, nicht als bloßes Echophon bekannter Töne, sondern als klarer neuer Stammsprecher der Figur, dessen Ansatz auf sorgfältige Kontinuität zielt, ohne den Kern zu verwischen: Es geht nicht darum, irgendetwas in die „Gegenwart zu transportieren“, sondern schlicht und nachvollziehbar darum, dass Thomas Wenke die Rolle übernommen hat und sie als seine Aufgabe begreift — mit Respekt vor dem, was Frank Engelhardt gesetzt hat, und mit einem eigenen, ruhig gefassten Zugriff, der Brians Mischung aus Milde, Müdigkeit und moralischer Selbstprüfung präsent hält; gerade in einer Folge, in der Brian zwischen Schuld, Angst und abruptem Durchatmen pendelt, fällt dieser Antritt auf — nicht laut, sondern tragfähig, wie eine Hand, die man plötzlich wieder spürt, wenn sie den Rücken hält.

Inszenatorische Feinheiten: Klang, Raum, Rhythmus

Abseits des Offensichtlichen arbeitet „Peter, Peter, Pumpkin Cheater“ mit einer feinen akustischen Dramaturgie: Das Getöse des Straßenfests, die hohlen Hallräume im Haus der Griffins, die Momente, in denen Geräusche fast weggezogen werden, damit ein Blick, ein Schatten, ein kaum hörbares Atmen die Bühne bekommt — all das formt einen Bogen, der den humoristischen Peaks kleine Valleys aus Stille gegenüberstellt, und genau in diesen Senken kann sich Unbehagen absetzen; visuell setzt die Folge dazu auf klare Linien und Kompositionswitze (Randfiguren, die Bildränder „bewohnen“; Objekte, die als set-up in Szene gelegt werden, um später als pay-off im Halbschatten aufzutauchen), wodurch selbst der derbste Gag eine saubere filmische Landebahn erhält.

Einordnung in die Serie: Warum dieses Special mehr ist als ein saisonaler Spaß

„Family Guy“ hat über Jahrzehnte gelernt, das zersplitterte, referenzgesättigte Humorprinzip mit erzählerischen Fokuspunkten zu verbinden; „Peter, Peter, Pumpkin Cheater“ markiert in diesem Lernprozess einen kleinen, aber sprechenden Marker: Es beweist, dass die Serie ohne Anthologie-Trick, ohne formalistische Klammer, eine runde, zielbewusste Halloween-Erzählung stemmen kann, die zugleich Platz für Gaststimmen, Figurenarbeit und sachte Genre-Persiflage lässt — und genau darin liegt die Relevanz dieser 20-plus Minuten, die sich weder in Nostalgie erschöpfen noch in purer Provokation suhlen, sondern den Mut haben, das Zwischentonige zu genießen.

Unsere Wertung:

➤ Storyline: 8,8 von 10 Punkten
➤ Szenengestaltung: 8,4 von 10 Punkten
➤ Synchronisation: 9,0 von 10 Punkten

Unser Fazit:

„Peter, Peter, Pumpkin Cheater“ ist kein brachialer Tabuabriss, sondern ein treffsicherer, in Details überraschend reifer Halloween-Bissen: Der Kürbis-Plot liefert die süße, klebrige Oberfläche für das große Lachen, der Stewie/Rupert-Strang legt darunter eine kalte, präzise gezeichnete Schicht aus Besitz, Eitelkeit und Einsicht, und das Zusammenspiel ergibt jenes besondere Nachgeschmackserlebnis, das man sich von einem Feiertagsspecial wünscht; getragen von einer spielfreudigen Stammbesetzung, veredelt durch Glen Powell und Sir Derek Jacobi, und in der deutschen Fassung geprägt vom würdigen Antritt Thomas Wenkes als Brian, der Frank Engelhardt (✝︎78) vor seinem Tod in dieser langjährigen Rolle ablöste bleibt eine Episode, die man nicht nur gern sieht, sondern in der man sich — ob man will oder nicht — ein wenig spiegelt.

Mehr zu Family Guy im Netz:

Family Guy bei Facebook:
https://www.facebook.com/FamilyGuy/

Family Guy bei Instagram:
https://www.instagram.com/familyguyfox/

Family Guy bei Disney+ anschauen:
https://www.disneyplus.com/de-de/browse/entity-3c3c0f8b-7366-4d15-88ab-18050285978e

Nach oben scrollen