ERIC ALEXANDRAKIS – „Life Is Better Live [Steppenwolf 50]“: Zwischen Klangkunst, Stille und kontrolliertem Chaos (Musikplaylist) [ Avant-Garde | Experimental Electronic | Sound Art ]

Wer bei „Steppenwolf 50“ reflexartig an „Born To Be Wild“ denkt, sitzt im falschen Film. Eric Alexandrakis vertont mit „Life Is Better Live“ keinen Rückblick auf die Rockband, sondern einen Kurzfilm von Fotograf und Regisseur Sandro Miller für dessen Ausstellung zum 50. Jubiläum des Chicagoer Steppenwolf Theatre. Entsprechend wenig interessiert sich der zweimal Grammy-nominierte Multiinstrumentalist für Strophe, Refrain oder sonstige Haltegriffe. Stattdessen baut er aus elektronischen Splittern, klassischen Klangfarben, rhythmischen Störungen und bewusst gesetzten Leerstellen eine Musik, die eher Raumzustand als Song sein will. Das ist sperrig, aber keineswegs zufällig: Alexandrakis nennt Karlheinz Stockhausen und John Cage als Bezugspunkte und macht daraus keine akademische Fußnote, sondern hörbare Arbeitsanweisung.

John Cage bekommt eine Sekunde Nachschlag

Besonders hübsch ist der kleine Seitenhieb „4’34″“. Eine Sekunde mehr als Cages berühmte „4’33″“ reicht Alexandrakis, um die Referenz offenzulegen und gleichzeitig weiterzudenken. Wo Cage die Umgebung zum Werk erklärt, lässt Alexandrakis Umgebung und Komposition ineinanderlaufen. Geräusche tauchen auf, brechen ab, rhythmische Figuren werden kurz stabil und verlieren unmittelbar wieder den Boden. Das kann mechanisch, nervös und kühl wirken, kippt aber immer wieder in fragile, beinahe schwebende Passagen. Gerade diese Unsicherheit trägt das Stück. Es will keine Stimmung festschreiben, sondern mehrere gleichzeitig zulassen.

Als isolierte Streaming-Single verlangt „Life Is Better Live“ allerdings Mitarbeit. Wer einen Hook sucht, bekommt einen höflichen Korb; wer Sounddesign als Dramaturgie akzeptiert, findet reichlich Details. Dass Alexandrakis nahezu alles selbst schreibt, arrangiert, einspielt und produziert, hilft der Konsequenz, birgt aber auch das Risiko einer zu stark kontrollierten Kunstinstallation. Manche Übergänge wirken eher konzipiert als zwingend. Brian Leitners Mitarbeit am Mix hält die dichten Schichten dennoch transparent. Am stärksten funktioniert die Veröffentlichung dort, wo sie nicht beweisen will, wie experimentell sie ist, sondern einfach Spannung aus Reibung erzeugt. Dann wird aus Theorie tatsächlich Musik – unruhig, eigenwillig und erfreulich schwer einzuordnen. Und genau darin liegt seine eigentliche Stärke.

Unsere Wertung:

➤ Songwriting und Konzeption: 8,2 von 10 Punkten
➤ Komposition: 8,4 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 8,5 von 10 Punkten
➤ Produktion und Sounddesign: 8,7 von 10 Punkten

➤ Gesamtwertung: 8,4 von 10 Punkten

Unser Fazit:

„Life Is Better Live [Steppenwolf 50]“ verweigert sich dem klassischen Songformat konsequent und funktioniert eher als akustische Installation zwischen Avantgarde, elektronischem Sounddesign und Filmmusik. Die Nähe zu John Cage und Karlheinz Stockhausen bleibt dabei nicht bloße Referenz, sondern prägt Aufbau, Rhythmik und den Umgang mit Geräusch und Stille. Gelegentlich wirkt das Konzept stärker als der einzelne musikalische Moment, doch Alexandrakis hält seine kontrollierte Unordnung spannend genug, um aus dem Soundtrack auch ohne Millers Bilder eine eigenständige Hörerfahrung zu machen.

Mehr zu Eric Alexandrakis im Netz

Offizielle Website von Eric Alexandrakis:
https://www.ericalexandrakis.com/

Eric Alexandrakis bei Facebook:
https://www.facebook.com/ERICSGALEXANDRAKIS/

Eric Alexandrakis bei Spotify:
https://open.spotify.com/artist/1ElXColOn7LPXIFKxLvGOc

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