Die Toten Hosen haben mit „Schlechte Nachbarn“ die zweite Vorabveröffentlichung aus ihrem kommenden Album „Trink aus, wir müssen gehen!“ vorgelegt. Der Song ist ab sofort auf den gängigen Plattformen verfügbar und kommt mit einem offiziellen Video, das den ruppigen Direktzugriff der Nummer konsequent aufgreift: kurz, bissig, politisch klar positioniert und musikalisch näher am durchgedrückten Punkrock als am späten Stadionpathos.
Vier Schläge, keine Umwege
Wenn Kuddel anzählt, ist bei Die Toten Hosen meist wenig Raum für Feinarbeit im Schonwaschgang. „Schlechte Nachbarn“ bestätigt genau das. Die Nummer rauscht nach vorne, setzt auf hohes Tempo, kurze Zündschnur und eine Gitarrenführung, die nicht lange argumentiert, sondern den Song mit einem trockenen Stoß in Bewegung bringt. In ihrer kompakten Anlage erinnert „Schlechte Nachbarn“ an jene ungeduldig beschleunigten Momente, mit denen die Band schon früher ihre besten direkten Punkrock-Instinkte freigelegt hat. Wer bei „Urknall“ vom Album „Ballast der Republik“ an die Wand gedrückt wurde, dürfte die Richtung hier sofort verstehen.
Vom Ritchie arbeitet am Schlagzeug wie ein Motor unter Volllast, während die Gitarren den Song eng an der Leitplanke halten. Gegen Ende setzt Kuddel noch einmal ein Solo drauf, das nicht nach Zierrat klingt, sondern wie eine letzte Beschleunigung vor der Ausfahrt. Campino wiederum nutzt den knappen Raum nicht für Pathos, sondern für Druck. Gerade dadurch wirkt „Schlechte Nachbarn“ wie ein Stück, das lieber die Faust in die Tür steckt, als höflich um Einlass zu bitten.
Eine Nachbarschaft unter Strom
Inhaltlich arbeitet „Schlechte Nachbarn“ mit einer deutschen Wohnsiedlung als Brennglas. Der Text zeichnet kein Sozialdrama in Breitwand, sondern eine satirisch zugespitzte Miniatur aus Vereinsfest, gepflegtem Vorgarten, Sicherheitsdenken und Ausgrenzungsreflex. Die Normalität, die hier vorgeführt wird, ist trügerisch: Unter der Oberfläche von Familienfest, Besitzstandswahrung und vermeintlicher Ordnung liegt eine politische Härte, die sich nicht als Radikalität ausgibt, aber genau dort landet.
Die Pointe des Songs liegt darin, dass Die Toten Hosen die Perspektive nicht auf die Außenseiter schieben, sondern das vermeintlich ordentliche Milieu entlarven. Die Nachbarschaft bleibt unter sich, markiert Grenzen, verwaltet Angst und tarnt ihre Ressentiments als Sicherheitsbedürfnis. „Schlechte Nachbarn“ ist damit kein abstrakter Kommentar zur politischen Lage, sondern ein schnelles Punkrock-Stück über die kleinen Alltagsgesten, in denen sich größere gesellschaftliche Verschiebungen zeigen. Die AfD taucht dabei nicht als ferner Nachrichtenbegriff auf, sondern als Symbol dafür, wie weit rechte Normalisierung in bürgerliche Routinen einsickern kann.
Das Video macht Druck
Das Video zu „Schlechte Nachbarn“ setzt weniger auf erzählerischen Überbau als auf körperliche Präsenz. Besonders Campino prägt den Clip mit großen Gesten, hektischer Energie und einer Körpersprache, die den Song nicht illustriert, sondern antreibt. Er wirkt darin weniger wie ein Sänger vor der Kamera, sondern eher wie ein Dirigent der Unruhe: Hände, Blick, Bewegung und Tempo arbeiten gegen die Saturiertheit, die der Text ins Visier nimmt.
Damit passt der Clip zur musikalischen Anlage der Single. „Schlechte Nachbarn“ sucht keine große Pose, sondern die unmittelbare Reibung. Die Band spielt auf Anschlag, der Text beißt sich an der deutschen Komfortzone fest, und das Video übersetzt diesen Druck in eine Performance, die den Song nach vorne stößt. Nach „Die Show muss weitergehen“ wirkt diese zweite Vorabnummer deutlich kantiger und unmittelbarer.
Album und Tour im Blick
„Schlechte Nachbarn“ erscheint als weiterer Vorbote des neuen Studioalbums „Trink aus, wir müssen gehen!“, das am 29. Mai 2026 veröffentlicht wird. Das Album umfasst 16 neue Songs und ist das erste reguläre Studioalbum mit neuem Material seit „Laune der Natur“ aus dem Jahr 2017. Gleichzeitig markiert es ein bewusst gesetztes Kapitelende: Fast 45 Jahre nach der Gründung von Die Toten Hosen soll „Trink aus, wir müssen gehen!“ das letzte reguläre Studioalbum der Band werden.
Ergänzt wird die Veröffentlichung durch das Bonusalbum „Alles muss raus!“. Darauf interpretiert die Band gemeinsam mit verschiedenen Gästen 25 Songs, die ihr musikalisch und persönlich wichtig sind. Für die Gestaltung des Albumcovers konnte Andreas Gursky gewonnen werden. Die Veröffentlichung erscheint unter anderem als limitierte Deluxe-Dreifach-Vinyl-Edition, als Standard-Vinyl-Version, als Doppel-CD sowie digital.
Die Tour ist ausverkauft – Termine für 2027
Auch live bleibt die Nachfrage hoch. Die Tour zum Album ist für 2026 bereits ausverkauft. Für 2027 sind folgende Termine angekündigt:
12.06.27 Nürnberg – Max-Morlock-Stadion
17.06.27 Mannheim – Maimarktgelände
19.06.27 Bern – Stadion Wankdorf
23.06.27 Graz – Messe Graz – Open Air
26.06.27 Leipzig – Festwiese
03.07.27 Braunschweig – Eintracht-Stadion
07.07.27 Konstanz – Bodensee Stadion
10.07.27 Düsseldorf – Merkur Spiel-Arena – ausverkauft
Trackliste
- Intro
- Wir waren nie weg
- Die Show muss weitergehen
- Schlechte Nachbarn
- Lass mal nicht machen
- Was früher einmal war
- Nur nach vorn
- Keine Macht den Proben
- Was ist mit uns los
- Augen zu (es regnet Blumen)
- Schicksal
- Glück
- Ich will
- Düsseldorf
- Kein Blatt zwischen uns
- Trink aus
Credits
Interpret: Die Toten Hosen
Single: „Schlechte Nachbarn“
Album: „Trink aus, wir müssen gehen!“
Bonusalbum: „Alles muss raus!“
Herkunft: Düsseldorf, Deutschland
Format: Single | Video | Album-Vorabauszug
Album-VÖ: 29. Mai 2026
Genre: Punkrock | Deutschpunk | Rock
Label: JKP Jochens Kleine Plattenfirma GmbH & Co. KG
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