Joe Boris – „Hoochie Coochie Coo“: Erdiger Bluesrock mit Siebzigerjahre-Flair und reichlich Gitarrenpower (Musikvideo) [ Bluesrock | Rock | Retro Rock ]

Wer bei Joe Boris musikalische Modetrends sucht, ist an der falschen Adresse. Der Gitarrist und Sänger aus New Jersey gehört seit den frühen Neunzigerjahren zur amerikanischen Ostküsten-Szene und interessiert sich auf „Hoochie Coochie Coo“ herzlich wenig für glattgebügelten Radioblues. Gemeinsam mit seiner Band FunTime bedient er sich lieber bei den Siebzigern: Led Zeppelin, Cream und ZZ Top stehen erkennbar Pate. Der gut fünfminütige Titel setzt auf kernigen Bluesrock, eine Portion Funk und jene unverschämte Lässigkeit, die man nicht aus einem Effektgerät zaubern kann.

Seht hier das offizielle Musikvideo zu „Hoochie Coochie Coo“ von Joe Boris.

Bluesrock ohne Hochglanzpolitur

Im Mittelpunkt steht natürlich Boris selbst. Seine Gitarrenarbeit gibt dem Stück den nötigen Biss, ohne jeden Takt mit Fingerakrobatik zu überfrachten. Dabei beschränkt sich sein Instrumentarium keineswegs auf die gewöhnliche E-Gitarre: Auch Leslie-Effekt und Talkbox gehören zum Klangkonzept. Seine raue Gesangsstimme passt zu dieser Musik, obwohl sie melodisch nicht jede Wendung ausreizt. Low Fritz Sammy am Bass und Bob Ramos am Schlagzeug schaffen ein solides Fundament, während Marc Jay am Klavier das Arrangement ergänzt. Hier spielen erfahrene Musiker, die wissen, wann Zurückhaltung wirkungsvoller ist als ein weiterer Kraftakt.

Handwerklich stark, kompositorisch vertraut

Kompositorisch bleibt „Hoochie Coochie Coo“ allerdings ziemlich berechenbar. Der Song lebt stärker vom Groove und der Spielfreude als von überraschenden Wendungen. Auch die Geschichte über die Faszination einer Begegnung bewegt sich in vertrauten Bluesrock-Gefilden und verlangt keine tiefschürfende Interpretation. Gerade angesichts der Laufzeit hätte dem Stück eine zusätzliche Idee oder eine deutlichere Zuspitzung gutgetan. Der bodenständige Charakter ist sympathisch; wirkliche Eigenständigkeit entsteht dadurch noch nicht automatisch.

Die Aufnahme entstand im Studio Mozart in Little Falls unter Beteiligung von Kostadin Kamcev. Dem Arrangement steht der Verzicht auf modische Hochglanzgesten gut: Gitarren, Rhythmusgruppe und Klavier bekommen jeweils ihre Aufgabe, statt sich gegenseitig zu überrennen. Ein wenig mehr Kontrast zwischen den einzelnen Passagen hätte die Spannung dennoch erhöht. Die solide instrumentale Ausführung ist jedenfalls deutlich interessanter als das vergleichsweise schlichte kompositorische Grundgerüst.

Unsere Wertung:

Wertung
Songwriting
8,5/10
Komposition
8/10
Produktion
8,8/10
Musikalische Fähigkeit
8,5/10
Gesamtwertung8,5von 10 PunktenØ aus vier Kriterien

Unser Fazit:

Dass die Single trotzdem funktioniert, verdankt sie ihrem ungezwungenen Zusammenspiel. Boris und seine Mitstreiter wollen kein Genre neu erfinden, sondern dessen körperliche Energie bewahren. Das gelingt hörbar besser als die Suche nach einem unverwechselbaren Refrain. Für Freunde handgemachten Bluesrocks bietet „Hoochie Coochie Coo“ genügend Substanz, auch wenn die große Überraschung ausbleibt.

Mehr Zu Joe Boris Im Netz

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http://j-boris.com

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