Kenny Foster repariert mit Fixing Up Everything den Indie Pop auf angenehm schiefe Weise (Musikvideo) [ Art Pop | Indie Rock | Indie Pop ]

Manche Songs klingen, als hätten die Musiker vor der Veröffentlichung noch brav ihre Steuerunterlagen sortiert. Kenny Foster macht auf »Fixing Up Everything« eher den Eindruck, als hätte jemand mitten im kreativen Chaos beschlossen, jetzt aber wirklich, treffend dem Titel, alles zu reparieren. Herausgekommen ist keine glatte Indie-Pop-Postkarte, sondern ein kleines, schräg funkelndes Stück zwischen Art Pop, Indie Rock, Psychedelic-Anmutung und jener charmanten Unordnung, aus der manchmal die interessantesten Songs entstehen.

Seht hier das Video zu »Fixing Up Everything« von Kenny Foster.

»Fixing Up Everything« beginnt mit einer angenehm verschobenen Energie. Der Song wirkt sofort melodisch, aber nicht stromlinienförmig. Gitarren, Rhythmus und Gesang treten nicht in Reih und Glied an, sondern bewegen sich leicht versetzt umeinander herum. Genau dadurch entsteht dieser besondere Reiz: Man hört einen Popsong, aber einen, der seine Schrauben nicht ganz festzieht, weil er weiß, dass gerade im leichten Wackeln Persönlichkeit steckt.

Der Gesang von Kenny Foster besitzt dabei eine zurückgenommene, fast beiläufige Qualität. Er drückt den Song nicht mit großer Geste an die Wand, sondern lässt ihn taumeln, atmen und wachsen. Das passt hervorragend zu dieser Mischung aus Indie-Pop-Melodie und Art-Rock-Verschrobenheit. Wo andere Künstler aus ähnlichen Zutaten einen überkorrekten Retro-Track bauen würden, bleibt Foster angenehm unberechenbar. Der Song schaut gewissermaßen aus dem Fenster, während im Hintergrund jemand versucht, das ganze Haus neu zu verkabeln.

Ein Popsong mit losen Kabeln

Musikalisch lebt »Fixing Up Everything« vor allem von seiner Bewegung. Die Gitarrenlinien setzen kleine Haken, der Bass hält den Song am Boden, und das Schlagzeug sorgt dafür, dass die Nummer trotz aller Schräglage nicht auseinanderfällt. Der Track klingt nicht nach mühsam polierter Perfektion, sondern nach einem Künstler, der sehr genau weiß, wann eine Idee interessanter ist als ein glatter Hochglanzmoment. Das ist Indie im besten Sinne: eigensinnig, direkt und weit genug vom Standard entfernt, um hängen zu bleiben.

Bemerkenswert ist auch, wie stark Kenny Foster mit Kontrasten arbeitet. Einerseits besitzt der Song eine klare melodische Zugänglichkeit. Andererseits verhindert das Arrangement konsequent, dass man sich zu bequem zurücklehnt. Kleine rhythmische Verschiebungen, leicht kauzige Instrumentalfiguren und ein nicht ganz geradliniger Aufbau sorgen dafür, dass »Fixing Up Everything« nach mehreren Durchläufen eher wächst als schrumpft. Der erste Eindruck ist sympathisch. Der dritte ist deutlich spannender.

Das erinnert in seiner Haltung an jene Art von Art Pop, die nicht aus akademischem Selbstzweck entsteht, sondern aus einer sehr lebendigen Freude am Verdrehen vertrauter Formen. Foster schreibt keine Musik, die das Publikum möglichst weit wegschieben möchte. Er nimmt bekannte Elemente, löst sie leicht aus ihrer Verankerung und setzt sie wieder so zusammen, dass sie zugleich vertraut und seltsam wirken. Das kann man clever nennen. Man kann es aber auch einfach als gutes Songwriting bezeichnen.

Zwischen Indie-Charme und schräger Detailarbeit

Gerade im Vergleich zu vielen aktuellen Indie-Veröffentlichungen fällt positiv auf, dass »Fixing Up Everything« nicht nach Playlist-Kompromiss klingt. Der Song will nicht jedem Algorithmus gleichzeitig gefallen. Dafür besitzt er Charakter. Die Produktion lässt kleine Ecken stehen, die Instrumente dürfen eine gewisse Rauheit behalten, und die Stimme wirkt nicht so lange glattgebügelt, bis jede menschliche Regung verschwunden ist. Das ist ein gutes Zeichen. Manche Musik muss nicht repariert werden, nur weil sie lebt.

Der Titel selbst passt dabei erstaunlich gut zur musikalischen Wirkung. »Fixing Up Everything« klingt wie ein Stück über das große Aufräumen, das nie ganz abgeschlossen wird. Immer wenn der Song scheinbar eine klare Richtung einschlägt, taucht eine neue kleine Unebenheit auf. Genau daraus entsteht seine emotionale Glaubwürdigkeit. Alles in Ordnung bringen zu wollen, ist schließlich eine ziemlich menschliche Angelegenheit. Dass dabei gelegentlich etwas klappert, macht die Sache nur realistischer.

Auch das Video unterstützt diese eigenwillige Atmosphäre. Statt den Song mit überinszenierten Bildern zu erschlagen, bleibt die visuelle Ebene nah an der verschrobenen, leicht surrealen Energie der Musik. Das passt zu einem Künstler, dessen aktuelle Arbeiten in vorhandenen Besprechungen bereits als experimentierfreudig, melodisch und bewusst genreoffen beschrieben wurden. Foster scheint sich nicht sonderlich für feste Schubladen zu interessieren. Sehr vernünftig. Schubladen sind ohnehin meistens zu klein für gute Songs.

Natürlich ist »Fixing Up Everything« keine Single, die mit maximaler Eingängigkeit in den Raum stürmt und jeden Refrain dreimal unterstreicht. Wer ausschließlich nach sofortiger Pop-Eskalation sucht, könnte die Nummer zunächst etwas unscheinbar finden. Doch genau darin liegt ein Teil ihrer Stärke. Der Song arbeitet nicht mit Überwältigung, sondern mit Nachwirkung. Er bleibt nicht hängen, weil er besonders laut winkt, sondern weil sich seine kleinen Details nach und nach festsetzen.

Am Ende zeigt Kenny Foster mit »Fixing Up Everything«, wie reizvoll Indie Pop klingen kann, wenn man ihn nicht zu sehr domestiziert. Die Single besitzt Melodie, Groove und eine erkennbare Struktur, verweigert aber die komplette Begradigung. Das macht sie eigenständig. Und in einer Zeit, in der viele Songs klingen, als hätten sie bereits vor der Aufnahme eine Marketingpräsentation über sich ergehen lassen müssen, ist ein bisschen Unordnung fast schon ein Qualitätsmerkmal.

Unsere Wertung:

➤ Songwriting: 9 von 10 Punkten
➤ Komposition: 9 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 8,5 von 10 Punkten
➤ Produktion: 8 von 10 Punkten

➤ Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Unser Fazit:

Kenny Foster liefert mit »Fixing Up Everything« eine starke Indie-/Art-Pop-Single ab, die melodische Zugänglichkeit mit schräger Detailarbeit verbindet. Der Song ist eingängig genug, um unmittelbar zu funktionieren, aber eigenwillig genug, um nicht nach austauschbarer Streaming-Ware zu klingen.

Besonders gelungen ist die Balance aus Pop-Gefühl, Art-Rock-Kante und leicht psychedelischer Verschrobenheit. Foster setzt nicht auf übertriebene Effekthascherei, sondern auf Bewegung, kleine Brüche und ein Arrangement, das mit jedem Durchlauf interessanter wird.

»Fixing Up Everything« ist damit kein Song für Menschen, die Musik nur dann ernst nehmen, wenn sie sofort alle Regeln erfüllt. Es ist ein Song für Hörerinnen und Hörer, die mögen, wenn Popmusik ein wenig aus der Spur läuft, ohne dabei den Weg zu verlieren. Sympathisch, clever und angenehm anders.

Mehr zu Kenny Foster im Netz

Kenny Foster bei Instagram:
https://www.instagram.com/kenneth.n.forrester/

Kenny Foster bei Bandcamp:
https://toasterboxandy.bandcamp.com/

Kenny Foster bei Spotify:
https://open.spotify.com/artist/0awfhMMIeRArR1ESXbCmW4

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