JustFolk verabschieden sich mit „Best of JustFolk 2012-2025“ mit Wärme, Seele und großer Songkunst (Musikplaylist) [ Folk | Singer & Songwriter | Folk-Rock ]

Folk ist ein authentisches Genre, welches sich durch den Einsatz akustischer Puristik auszeichnet und wobei man hier wirklich die Seele und Wärme der Musik erlebt und der Künstler merklich sein Herzblut reinsteckt. Das ist der Fall bei der wunderschönen Werksammlung „Best of JustFolk 2012-2025“ von JustFolk, die sich mit dieser Song-Sammlung zurecht ein Denkmal setzt und hierbei an die Legende Fleetwood Mac erinnert. Was Todd Kolod gemeinsam mit Manolo Díaz und Steven Gores hier versammelt, ist kein geschniegelt poliertes Abschiedspaket, sondern eine sehr menschliche, sehr warme und erstaunlich geschlossene Rückschau auf dreizehn Jahre Bandgeschichte. Zwischen The Beatles, Neil Young, Jeff Lynne und klassischem amerikanischem Songwriter-Geist entsteht ein Album, das nie geschniegelt archiviert wirkt, sondern lebt, atmet und seine Ecken als Ausweis von Charakter trägt.

Hört hier das Album „Best of JustFolk 2012-2025“ von JustFolk

Kein Museum, sondern gelebte Songs

Schon der Auftakt mit „Look What You’ve Done“ zeigt, warum JustFolk mehr sind als bloße Nostalgieverwalter. Klavier, sanfte Akustikgitarren und eine feine Streicherfarbe öffnen den Raum, ohne ihn mit Pathos zu verstopfen. Der Song hat Tiefe, aber auch Zug. Danach legt „So Much“ mit spielerischer Melodik und wohligem Arrangement nach. Das Songwriting setzt hier nicht auf billige Refrains, sondern auf organisch wachsende Hooks, die sich beinahe unbemerkt festsetzen. „Can’t Stop Your Dreams“ schiebt die Platte dann weiter in Richtung Aufbruch: folkiger Puls, eingängige Harmoniearbeit, dazu diese sympathisch ungeschönte Gesangsfarbe, die nicht in einer überproduzierten Form daherkommt, sondern nach Leben klingt.

Besonders stark ist, wie die Compilation chronologisch funktioniert und dabei trotzdem nie auseinanderfällt. „Midwestern Girl“ skizziert mit wenigen Mitteln ein Americana-Bild, das sofort Farbe bekommt, während „Rivertown“ mit rauerer Kante und markantem Basslauf fast schon cinematisch vorbeizieht. Das ist kein folkiges Lagerfeuer-Geklimper, sondern Arrangement mit Sinn für Dynamik. Auch „All I Really Want“ profitiert von dieser Qualität: Die Komposition bleibt melodisch offen, das Sounddesign warm und atmend, und gerade darin liegt die Stärke von JustFolk. Nichts wird hier zu Tode produziert. Statt Hochglanz gibt es Luft zwischen den Instrumenten, Emotion im Vortrag und genug kompositorische Klasse, damit die Songs auch ohne Studioblender tragen.

Zwischen Herzschmerz, Haltung und großer Melodie

In der zweiten Hälfte zieht „Best of JustFolk 2012-2025“ die Zügel sogar noch etwas fester. „Coma Tonight“ bringt mehr Rock in die Sache, mit elektrischer Gitarre, expressiven Orgeln und einem Refrain, der sich angenehm altmodisch ins Gedächtnis arbeitet. Direkt danach entfaltet „Say Goodbye“ jenen bittersüßen Tonfall, der unweigerlich an Neil Young denken lässt, ohne sich an ihm festzuklammern. „Never Too Late“ setzt auf Zuversicht statt Kitsch, „Don’t Turn the Lights Out“ wirkt wie eine intime Bitte im Halbdunkel, und „Protest to Survive“ zeigt, dass JustFolk auch dann funktionieren, wenn der Ton energischer und kantiger wird. Gerade hier überzeugt das Gespür für Dramaturgie: Die Platte weiß ziemlich genau, wann sie zurücknehmen, wann sie schieben und wann sie emotional aufziehen muss.

Produktionsarbeit mit Puristik und Authentizität

Dazu kommt eine Produktion von Steven Gores, die erfreulich unspektakulär und genau deshalb so gut ist. Die Keyboards färben die Songs, ohne sie zuzudecken, die Akustikgitarren behalten ihre Maserung, und die elektrische Gitarre von Manolo Díaz setzt Akzente, statt ständig im Vordergrund zu posen. Auch die Vocals von Todd Kolod sind ein Pfund: leicht rau, nicht geschniegelt, manchmal mit einem kleinen John Lennon-Schatten versehen, aber nie als bloße Pose. Das verleiht diesen Songs jene Glaubwürdigkeit, die man im Folk Rock zwingend braucht. Wenn ein Album über Liebe, Hoffnung, Vergänglichkeit und Würde spricht, dann darf das nicht nach Studio-Kosmetik klingen. JustFolk verstehen das.

Ein Abschied, der offen bleibt

Zum Ende hin wird es noch einmal besonders schön. „Dirty Sky“ öffnet sich in eine leicht psychedelische Weite hinein und beweist, dass die Band auch atmosphärisch denken kann, ohne ihre melodische Klarheit zu opfern. Danach setzt „What Was I Thinking?“ den Schlusspunkt als nachdenklicher, fast schon demütiger Ausklang. Das ist kein Finale mit erhobenem Zeigefinger und auch kein sentimentaler Renteneintritt auf Platte, sondern ein stiller, starker Abgang. Genau deshalb funktioniert diese Sammlung so gut: Sie verkauft Vergangenheit nicht als Mythos, sondern als gelebte Arbeit. „Best of JustFolk 2012-2025“ ist eine Abschiedsplatte, die nicht nach Ende klingt, sondern nach bleibendem Wert. Und in einer Zeit, in der so viel Musik auf Sofortwirkung gedrillt wird, ist das beinahe schon radikal.

Unsere Wertung:

➤ Songwriting: 9 von 10 Punkten
➤ Komposition: 8,5 von 10 Punkten
➤ Arrangement: 8,5 von 10 Punkten
➤ Produktion: 8 von 10 Punkten

➤ Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Unser Fazit:

JustFolk verabschieden sich mit einer Compilation, die nicht nur historische Bestandsaufnahme ist, sondern ein richtig starkes Album im eigenen Recht. „Best of JustFolk 2012-2025“ lebt von klugem Songwriting, warmem Sounddesign, sehr stimmigen Arrangements und einer emotionalen Direktheit, die man nicht herstellen kann, wenn man sie nicht wirklich meint. Wer mit Folk Rock, Indie Rock und klassischem Songwriter-Handwerk etwas anfangen kann, bekommt hier keine Staubfänger-Retrospektive, sondern eine sehr schöne, sehr ehrliche und musikalisch bemerkenswert geschlossene Platte.

Mehr zu JustFolk im Netz

JustFolk bei Bandcamp:
https://justfolk.bandcamp.com

JustFolk bei Apple Music anhören:
https://music.apple.com/artist/justfolk/512794163

JustFolk bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/45RB9VW6WeDQMZC1udGAyY

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