Wer bei Joe Boris musikalische Modetrends sucht, ist an der falschen Adresse. Der Gitarrist und Sänger aus New Jersey gehört seit den frühen Neunzigerjahren zur amerikanischen Ostküsten-Szene und interessiert sich auf „Hoochie Coochie Coo“ herzlich wenig für glattgebügelten Radioblues. Gemeinsam mit seiner Band FunTime bedient er sich lieber bei den Siebzigern: Led Zeppelin, Cream und ZZ Top stehen erkennbar Pate. Der gut fünfminütige Titel setzt auf kernigen Bluesrock, eine Portion Funk und jene unverschämte Lässigkeit, die man nicht aus einem Effektgerät zaubern kann.
Bluesrock ohne Hochglanzpolitur
Im Mittelpunkt steht natürlich Boris selbst. Seine Gitarrenarbeit gibt dem Stück den nötigen Biss, ohne jeden Takt mit Fingerakrobatik zu überfrachten. Dabei beschränkt sich sein Instrumentarium keineswegs auf die gewöhnliche E-Gitarre: Auch Leslie-Effekt und Talkbox gehören zum Klangkonzept. Seine raue Gesangsstimme passt zu dieser Musik, obwohl sie melodisch nicht jede Wendung ausreizt. Low Fritz Sammy am Bass und Bob Ramos am Schlagzeug schaffen ein solides Fundament, während Marc Jay am Klavier das Arrangement ergänzt. Hier spielen erfahrene Musiker, die wissen, wann Zurückhaltung wirkungsvoller ist als ein weiterer Kraftakt.
Handwerklich stark, kompositorisch vertraut
Kompositorisch bleibt „Hoochie Coochie Coo“ allerdings ziemlich berechenbar. Der Song lebt stärker vom Groove und der Spielfreude als von überraschenden Wendungen. Auch die Geschichte über die Faszination einer Begegnung bewegt sich in vertrauten Bluesrock-Gefilden und verlangt keine tiefschürfende Interpretation. Gerade angesichts der Laufzeit hätte dem Stück eine zusätzliche Idee oder eine deutlichere Zuspitzung gutgetan. Der bodenständige Charakter ist sympathisch; wirkliche Eigenständigkeit entsteht dadurch noch nicht automatisch.
Die Aufnahme entstand im Studio Mozart in Little Falls unter Beteiligung von Kostadin Kamcev. Dem Arrangement steht der Verzicht auf modische Hochglanzgesten gut: Gitarren, Rhythmusgruppe und Klavier bekommen jeweils ihre Aufgabe, statt sich gegenseitig zu überrennen. Ein wenig mehr Kontrast zwischen den einzelnen Passagen hätte die Spannung dennoch erhöht. Die solide instrumentale Ausführung ist jedenfalls deutlich interessanter als das vergleichsweise schlichte kompositorische Grundgerüst.
Unsere Wertung:
Unser Fazit:
Dass die Single trotzdem funktioniert, verdankt sie ihrem ungezwungenen Zusammenspiel. Boris und seine Mitstreiter wollen kein Genre neu erfinden, sondern dessen körperliche Energie bewahren. Das gelingt hörbar besser als die Suche nach einem unverwechselbaren Refrain. Für Freunde handgemachten Bluesrocks bietet „Hoochie Coochie Coo“ genügend Substanz, auch wenn die große Überraschung ausbleibt.
Releaseinformationen
Interpret: Joe Boris
Titel: Hoochie Coochie Coo
Format: Single | Digital
Veröffentlichung: 25. April 2026
Umfang: 1 Titel
Spielzeit: 5:03 Minuten
Genre: Bluesrock | Classic Rock | Funk Rock
Label: Eigenveröffentlichung (℗ Joseph J. Boris)
Titelliste
1. Hoochie Coochie Coo – 5:03
Mitwirkende und Produktion
Joe Boris – Gesang, E-Gitarren, Leslie, Talkbox
Low Fritz Sammy – Bass
Bob Ramos – Schlagzeug, Percussion
Marc Jay – Klavier
Kostadin Kamcev – Studioaufnahme
Aufnahmestudio: Studio Mozart, Little Falls, New Jersey
Über Joe Boris
Joe Boris ist Gitarrist, Sänger und Songwriter aus New Jersey, der seit den frühen Neunzigerjahren in der US-amerikanischen Ostküsten-Szene aktiv ist. Er schrieb zahlreiche Songs für die Jam-Band One-Eyed Jack und spielte mit Musikern aus dem Umfeld von Grateful Dead, Hot Tuna und The Band. Zu seinen jüngeren Veröffentlichungen zählen „Anthology“ (2022), „Arising“ (2024) sowie die Singles „Love & Affection“ (2025) und „Hoochie Coochie Coo“ (2026).
Mehr Zu Joe Boris Im Netz
Joe Boris – Die offizielle Webseite:
http://j-boris.com
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https://open.spotify.com/artist/4CfE7FzYpS3eKB8laSo7vu

