Ric Chan lässt mit „Asche“ Wut, Hoffnung und DIY-Punk-Crossover in Flammen aufgehen (Musikvideo) [ Alternative Rock | Indie Punk | Rap ]

Was kommt dabei heraus wenn man Alternative, Punk und Rap miteinander kreuzt? Offensichtlich was ziemlich cremig geiles, wie Ric Chan mit ihrer Single und dem dazugehörigen Video „Asche“ beweist. Die Künstlerin aus Bad Wildbad kommt ursprünglich aus dem Rap, hat sich über englischsprachige Versuche, Trap-Phasen und YouTube-Freetracks hinweg inzwischen zu einem Sound vorgearbeitet, der deutlich stärker nach Reibung, Gitarre und persönlicher Dringlichkeit klingt. „Asche“ ist dabei kein glattgebügelter Genre-Testballon, sondern ein raues, waches Stück zwischen Indierock, Indie Punk und Deutschrap, das seine Ecken nicht versteckt, sondern ziemlich selbstbewusst nach vorne schiebt.

Schaut hier den Clip „Asche“ von Ric Chan an.

Indierock mit Punk-Puls

Musikalisch setzt „Asche“ sofort auf Bewegung. Das Instrumental trägt einen klaren Indierock-Charakter, bekommt durch die Schlagzeugspur aber eine angenehm unruhige Punk-Attitüde. Die Drums treiben, ohne plump zu poltern, während Bass und Gitarren ein Arrangement aufziehen, das erstaunlich viel Druck aus vergleichsweise direkten Mitteln gewinnt. Besonders die Basslinien geben dem Song seinen Vorwärtsdrang, während die halligen Gitarren eine fast flimmernde Weite öffnen. Genau dort zeigt sich, dass Ric Chan nicht einfach Rap über ein Rock-Brett legt. „Asche“ ist kompositorisch sauber gedacht, dynamisch gebaut und im alternativen Sounddesign deutlich näher an einer echten Band-Ästhetik als an bloßem Crossover-Kalkül.

Dunkle Stimme, klarer Ausdruck

Auch flowtechnisch sitzt hier vieles erstaunlich sicher. Ric Chan rappt nicht hektisch gegen das Instrumental an, sondern nutzt den Groove, schiebt Silben nach vorne, lässt Zeilen atmen und setzt ihre dunkle Stimme als zentrales Ausdrucksmittel ein. Das passt zum Thema: „Asche“ handelt von gesellschaftlicher Last, Krieg, Ungleichheit, Hunger, Machtmissbrauch und der Frage, wie frei Menschen wirklich sind, wenn sie von Angst, Armut oder Gewalt umstellt werden. Die Lyrics denken groß, bleiben aber emotional greifbar. Statt Parolen abzufeuern, formt Ric Chan ein Bild einer Welt, über der sich Ruß, Erschöpfung und Wut ablegen. Trotzdem kippt der Song nicht in Hoffnungslosigkeit. Zwischen Anklage und Trotz bleibt ein Rest Licht stehen.

DIY als ästhetische Entscheidung

Ein eigener Pluspunkt ist das Video zu „Asche“. Gerade sein DIY-Charakter macht den Clip spannend, weil er nicht versucht, mit Hochglanzästhetik etwas vorzutäuschen, was dem Song gar nicht guttäte. Das Video wirkt roh, direkt und selbstgemacht im besten Sinne. Es verstärkt die Haltung des Tracks, statt sie mit überproduzierten Bildern weichzuspülen. Man merkt, dass hier eine Künstlerin ihre eigene Sprache sucht und dabei lieber etwas Unperfektes mit Charakter liefert als einen glatt polierten Clip ohne Herzschlag. Dieser Ansatz darf ruhig als Kunstwerk für sich gelesen werden, weil Form und Inhalt überzeugend ineinandergreifen.

Kleine Schwäche, große Wirkung

Der einzige Wermutstropfen liegt im Misch- und Mastering-Verhältnis. An einigen Stellen könnten Stimme, Gitarren und Rhythmusfundament noch etwas präziser austariert sein, damit die vorhandene Energie noch direkter einschlägt. Doch dieser Punkt beschädigt den Kern des Songs kaum. Im Gegenteil: Die Qualitäten von Ric Chan treten trotzdem klar hervor. „Asche“ überzeugt durch Haltung, musikalische Fähigkeit, eine starke Stimme und ein Arrangement, das zwischen Druck, Melancholie und Aufbegehren eine eigene Farbe findet. Für eine Künstlerin, die ihren Sound nach eigener Aussage erst durch Rock und Metal neu geschärft hat, klingt das bemerkenswert authentisch.

Unsere Wertung:

➤ Songwriting: 8 von 10 Punkten
➤ Komposition: 8 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 8 von 10 Punkten
➤ Produktion: 7 von 10 Punkten

➤ Gesamtwertung: 7,75 von 10 Punkten

Unser Fazit:

„Asche“ ist ein starker Schritt für Ric Chan: unbequem, emotional, musikalisch griffig und mit genug Eigenwillen ausgestattet, um im Feld zwischen Deutschrap, Alternative Rock und Indie Punk nicht unterzugehen. Der Song trägt Wut im Bauch, aber auch Empathie im Blick. Gerade diese Mischung macht ihn interessant. Hier geht es nicht um Pose, sondern um Ausdruck, und genau daraus zieht „Asche“ seine Kraft.

Mehr zu Ric Chan im Netz

Ric Chan bei Instagram:
https://www.instagram.com/immerwieder.ricchan

Ric Chan bei Spotify anhören:
https://open.spotify.com/artist/3AKNa2IpebRPgoGY0oxVk7

Ric Chan bei YouTube:
https://youtube.com/@ricchanmusik

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