Runa Viggen – „Open Plains“ lässt Jazz, Prog und innere Heilung zu einer fesselnden Klangreise verschmelzen (Musikplaylist) [ Jazz Fusion | Progressive | Contemporary Jazz ]

Instrumentalmusik weit, mutig und mit ordentlich innerem Zug geschrieben, so würde man „Open Plains“ von Runa Viggen am liebsten umschreiben. Dieses Album klingt nicht nach akademischer Fingerübung, sondern nach einer echten Bewegung nach vorn: raus aus alten Mustern, raus aus Schmerz, raus aus musikalischen Schubladen. Runa Viggen verbindet auf ihrem zweiten Album Jazz, Fusion, Klassik und Progressive Rock so selbstverständlich, dass der ganze Genremix nie wie ein verkopftes Konzeptseminar wirkt. Stattdessen hört man Kompositionen mit Tiefgang, starke Dramaturgie, ein exzellentes Gespür für Klangfarben und Arrangements, die nicht geschniegelt beeindrucken wollen, sondern organisch wachsen. Genau das macht „Open Plains“ so stark: Es klingt frei, aber nie ziellos, anspruchsvoll, aber nie selbstverliebt.

Hört hier „Open Plains“ von Runa Viggen

Heilungsreise mit offenem Horizont

Schon „Amaranth“ macht klar, dass Runa Viggen keine Lust auf bloß dekorativen Edeljazz hat. Das Stück eröffnet die Platte mit einer Mischung aus Nachdenklichkeit, Spannung und einem fast filmischen Vorwärtsdrang. Das Klavier setzt nicht einfach Themen, es zieht Linien, öffnet Räume, baut Erwartung auf. Genau dort greifen auch Bass und Schlagzeug glänzend ineinander: Larry Steen legt kein bequemes Fundament, sondern reagiert, kommentiert, schiebt mit, während Chris Wabich den Stücken diese lebendige, atmende Beweglichkeit gibt, die zwischen kontrollierter Präzision und spontaner Reibung pendelt. „Ursa Minor“ wirkt danach beinahe kontemplativ, aber eben nicht harmlos. Man hört klassisches Klangverständnis, jazzige Elastizität und einen Hang zur progigen Zuspitzung, ohne dass die Komposition daran zerfasert. Besonders stark ist, wie sorgfältig das Arrangement Spannungsbögen setzt: nichts zu viel, nichts zu geschniegelt, stattdessen klug gesetzte Kontraste.

Ein Musterstück das Funktioniert

Mit „Bury Me Standing“ wird dann endgültig deutlich, warum „Open Plains“ so gut funktioniert. Dieses Stück erzählt fast ohne Worte eine ganze Geschichte. Es hat Akte, Wendungen, innere Kämpfe und genau jene dramaturgische Wucht, an der viele angeblich progressive Alben grandios scheitern. Runa Viggen komponiert hier nicht bloß komplex, sondern sinnvoll komplex. Das Sounddesign bleibt trotz aller Virtuosität durchsichtig, jede Bewegung wirkt motiviert, jeder Bruch hat Konsequenz. Auch „Old Fields of War“ profitiert davon: Da wird nicht geschniegelt Genre-Mikado gespielt, sondern Spannung aufgebaut, losgelassen und neu sortiert. Diese Musik versteht etwas von Atmosphäre.

Zwischen Wunde, Aufbruch und kompositorischer Klasse

Besonders stark gerät die zweite Hälfte des Albums. „The Tears of My Mother“ funktioniert als intimer Ruhepunkt, beinahe wie ein kurzer Blick nach innen, ehe „Rayan“ wieder mehr Bewegung und Licht in die Platte bringt. Dass das alles nie auseinanderfällt, ist die eigentliche Leistung dieses Albums. Andere würden aus Jazz, Fusion, Klassik und Prog einen überladenen Stilmarkt zusammenzimmern. Runa Viggen macht daraus ein zusammenhängendes Werk. Das hat mit kompositorischer Disziplin zu tun, aber auch mit Vertrauen in die eigene musikalische Sprache. Und genau deshalb klingt „Rubicon“ am Ende nicht nach bloßem Abschluss, sondern nach echter Ankunft. Das Stück besitzt Größe, ohne zu posieren, und führt den Weg dieses Albums konsequent zu Ende.

Open Plains – Ein album mit nachhaltiger Tiefe

Am Ende bleibt eine Platte, die nicht auf schnelle Wirkung schielt, sondern auf nachhaltige Tiefe. „Open Plains“ fordert offene Ohren, belohnt sie aber mit feiner Detailarbeit, starker Dynamik und einem Trio, das hörbar aufeinander reagiert, statt bloß nebeneinander brillant zu sein. Runa Viggen liefert hier kein Nischenprodukt für Jazzpuristen und auch kein verkopftes Crossover-Statement für Menschen, die gern das Wort „grenzüberschreitend“ auf Förderanträge schreiben. Sie liefert Musik mit Charakter, Substanz und eigener Handschrift. Genau so klingt ein Album, das Grenzen nicht demonstrativ einreißt, sondern sie schlicht hinter sich lässt.

Unsere Wertung:

➤ Komposition: 9 von 10 Punkten
➤ Arrangement: 9 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 9 von 10 Punkten
➤ Produktion: 8 von 10 Punkten

➤ Gesamtwertung: 8,5 von 10 Punkten

Unser Fazit:

„Open Plains“ ist ein starkes, eigenständiges und bemerkenswert geschlossenes Album, das seine stilistische Offenheit nie als Gimmick missbraucht. Runa Viggen verbindet emotionale Tiefe mit kompositorischer Klarheit und zeigt, wie man komplexe Musik zugänglich machen kann, ohne sie zu vereinfachen. Zwischen innerer Heilungsreise, kluger Dramaturgie und exzellentem Zusammenspiel entsteht eine Platte, die gleichzeitig herausfordert und mitreißt. Kein lautes Effektfeuerwerk, sondern musikalische Substanz mit echter Sogkraft.

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