Dathomirror Doors – „Abandon Love“: Die Liebe geht, die Wut bleibt (Musikplaylist) [ Gothic Rock | Gothic Metal ]

Schlechte Laune braucht keinen guten Ruf. In der Musik darf sie sich ausbreiten, hässliche Gedanken formulieren und den höflichen Abgang verweigern. Dathomirror Doors wählen für ihre EP „Abandon Love“ entsprechend deutliche Überschriften. Zwischen Liebesverzicht, Feuer und Leid bleibt wenig Platz für ein versöhnliches Lächeln. Die interessantere Frage lautet allerdings: Wie viel Bewegung bekommt das amerikanische Duo in diese demonstrativ finstere Ausgangslage? Denn ein musikalischer Wutausbruch gewinnt nicht automatisch dadurch, dass man ihm vier weitere hinterherschickt.

Hört hier die EP „Abandon Love“ von Dathomirror Doors.

Die Lautstärke allein erledigt es nicht

Joey Depp und Ant Demico verbinden Gothic Rock mit metallischer Härte und elektronischen Anteilen. Der Titeltrack setzt zunächst auf räumlich ausgreifende Gitarren und einen unruhigen rhythmischen Untergrund. Der Gesang bringt den Vertrauensverlust ins Zentrum. „Burned Alive“ nimmt anschließend Härte zurück; wiederkehrende Gesangslinien und Hall bestimmen den atmosphärischeren Zugriff. Diese Abstufung ist für die Anlage der EP entscheidend: Aggression braucht ein Verhältnis zu etwas, das weniger aggressiv ist. Sonst bleibt von der behaupteten Eskalation irgendwann nur die eingestellte Lautstärke.

Gerade das kurze Format kommt diesem Ansatz entgegen. Fünf Stücke in knapp zwanzig Minuten müssen keine abendfüllende Weltanschauung liefern. Sie können einen Zustand zuspitzen und rechtzeitig wieder verschwinden. Der Maßstab ist deshalb auch nicht die möglichst große Zahl stilistischer Abzweigungen. Spannender ist, ob eine überschaubare Auswahl an Mitteln unterschiedliche Spannungsgrade ermöglicht. Der Wechsel zwischen Zurücknahme und Angriff liefert dafür eine vernünftige Grundlage.

Die Visualisierung zu „Burned Alive“ von Dathomirror Doors.

Pathos muss sich seinen Platz verdienen

Mit „Die Alone“ treten Bass, rhythmischer Druck und ein schärferer vokaler Ton stärker hervor. „Evil Spell“ entwickelt sich aus einem dröhnenden Beginn zum besonders harten Stück der Veröffentlichung. „Suffer You Will“ verbindet zum Abschluss präzise gesetzte Beats mit einer bissigen Gesangsdarbietung. Damit besitzt die EP eine nachvollziehbare Steigerung. Die einzelnen Stationen unterscheiden sich durch ihre Gewichtung, während die düstere Grundfarbe bestehen bleibt.

Die Titel selbst betreiben dagegen kaum Zurückhaltung. „Burned Alive“, „Die Alone“, „Evil Spell“: Das Vokabular ist schnell verstanden und ebenso schnell wiedererkannt. Darin liegt eine Grenze dieser Ästhetik. Solche Formulierungen setzen auf maximale Wirkung, bevor überhaupt ein Ton gefallen ist. Wer sprachliche Überraschungen sucht, findet sie auf der Trackliste kaum. Als Einladung zum dramatischen Auftritt funktioniert diese Unmittelbarkeit allerdings. Die Musik muss anschließend dafür sorgen, dass aus der Ankündigung auch ein Ereignis wird.

Man sollte dabei nicht jeden finsteren Song zu einem psychologischen Fallbericht erklären. Eine überzeichnete Figur kann künstlerisch ergiebiger sein als ein sorgsam ausgewogener Erzähler. Sie darf unfair, maßlos und unangenehm auftreten. Entscheidend ist die Gestaltung dieser Perspektive. Für „Abandon Love“ ergibt sich daraus ein reizvoller Anspruch: Das Pathos muss durch Kontraste tragen, statt nur durch die Größe seiner Worte Eindruck machen zu wollen.

Kompakt genug für die schlechte Gesellschaft

Die Kombination aus atmosphärischer Öffnung und zunehmender Härte spricht für das Gespür des Duos für eine kompakte Dramaturgie. Ein grundlegend neuer Entwurf des Gothic Rock lässt sich daraus noch nicht ableiten. Das muss eine EP auch nicht leisten. Ihre Stärke liegt in der Konzentration; ihre erkennbare Begrenzung in der vertrauten Bildsprache. Für die weitere Entwicklung wäre deshalb weniger ein zusätzlicher Härtegrad interessant als ein überraschender Blickwinkel innerhalb dieses klar umrissenen Ausdrucks.

Unsere Wertung:

Wertung
Songwriting
7/10
Komposition
7,5/10
Produktion
8/10
Musikalische Fähigkeit
7,5/10
Gesamtwertung7,5von 10 PunktenØ aus vier Kriterien

Unser Fazit:

„Abandon Love“ gewinnt als konzentrierte EP an Plausibilität: Der Weg von räumlichen Gitarren und zurückgenommeneren Momenten zu deutlicherer Aggression gibt dem düsteren Material eine Richtung. Dathomirror Doors müssen dafür keine stilistische Neuerfindung behaupten. Die vertrauten Drohbilder setzen dem sprachlichen Eigenprofil allerdings Grenzen. Interessant bleibt das Verhältnis von Atmosphäre und Angriff. Genau dort liegt das Potenzial für Songs, deren Persönlichkeit auch dann erkennbar wäre, wenn ihre Titel einmal weniger demonstrativ böse ausfielen.

Mehr zu Dathomirror Doors im Netz

Joey Depp bei Instagram:
https://www.instagram.com/joeydeppofficial/

Abandon Love bei Apple Music:
https://music.apple.com/us/album/abandon-love-ep/6811257992

Abandon Love bei Spotify:
https://open.spotify.com/album/7n91XePaDZARvLH6JMIrsf

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