Metal mit Electro zu Kreuzen ist nicht unbedingt jedermanns Cup Of Tea, doch bei „Cascade“ von Infinite Third funktioniert das erstaunlich gut. Zwischen Metal, Post Metal, Post Rock und Electro Metal angesiedelt, bietet diese EP eine spannende instrumentale Reise, bei der einem tatsächlich der Begriff Cyberpunk in den Sinn kommen könnte. Schon der eröffnende Titeltrack „Cascade“ baut mit seinem fantastischen Sounddesign sofort Spannung auf und verbindet groovende Rhythmik mit einer markanten, sehr flüssigen Gitarrenarbeit. Im mittleren Tempo gehalten, lebt das Stück von einer starken Verzahnung aus Bass, Gitarre und Elektronik, ohne dass die synthetischen Elemente je die Kontrolle übernehmen würden. Genau darin liegt der Reiz: Infinite Third setzt elektronische Texturen klug und dosiert ein, damit die Sogkraft des Gitarren- und Bassfundaments voll zur Geltung kommt. Die Leadgitarre setzt präzise Akzente, öffnet Räume und beweist sehr eindrucksvoll, dass diese Musik keine Stimme braucht, um Bilder im Kopf auszulösen.
Groove, Druck und ein präziser elektronischer Puls
Mit „Threading“ bestätigt Infinite Third diesen starken ersten Eindruck direkt. Das Stück lehnt sich deutlich an Post Rock und Post Metal an, bleibt dabei aber beweglich und überraschend. Leidenschaftliche Leadgitarren treffen auf griffige Rhythmusinstrumentalisierung, die im mittleren Tempo eine enorme Stabilität entwickelt. Dann zieht das Arrangement kurz zurück, nur um danach mit brachialer Wucht wieder aufzuschlagen. Gerade in den Drums entsteht dabei eine rohe Intensität, die stellenweise tatsächlich an die Schärfe mancher Black Metal-Produktionen denken lässt. Dass hier erstmals mit Dylan Mixer ein offizieller Kollaborateur eingebunden ist, zahlt sich hörbar aus: Die Rhythmen sitzen enger, die Produktion wirkt fokussierter, und die Dynamik besitzt mehr Druck als in rein atmosphärischen Genre-Arbeiten üblich.
Der Remix denkt den Titeltrack konsequent weiter
Besonders reizvoll wird die EP mit „Cascade (.1dyllic Remix)“. Der Remix nimmt den Titeltrack nicht einfach auseinander, sondern übersetzt ihn in eine tiefere, sphärischere und deutlich elektronischere Sprache. Dezente Klavierfarben, pulsierende Synthbässe und ein fließender elektronischer Beat empfangen den Hörer und ziehen ihn in eine futuristische Atmosphäre, die tanzbar wirkt, aber nichts mit sterilen EDM-Schablonen zu tun hat. Das Arrangement bleibt organisch, entwickelt Spannung mit Geduld und lebt von einem Sounddesign, das die Balance zwischen Club-Energie und cineastischer Weite bemerkenswert gut hält. Genau hier zeigt sich auch die kompositorische Klasse dieser EP: Die Stücke funktionieren nicht nur als einzelne Tracks, sondern kommentieren und erweitern sich gegenseitig.
Ambient als Nachhall und Vertiefung
Mit „Stillpoint (Ambient Cascade)“ und „Unravel (Ambient Threading)“ wechselt die EP schließlich in eine ruhigere, aber keineswegs schwächere Zone. Diese beiden Stücke stellen Infinite Third sehr überzeugend als Sounddesignwerkstatt heraus, in der Texturen, Raumgefühl und Stimmung mit großer Sorgfalt gebaut werden. Die Ambient- und Drone-Anteile wirken nie wie bloße Resteverwertung, sondern wie logische Erweiterungen der vorherigen Tracks. Dadurch bekommt „Cascade“ einen fast meditativen Ausklang, der die Wucht der Gitarrenstücke nicht relativiert, sondern vertieft. Gerade diese Spannweite spricht sehr für die musikalische Fähigkeit von Billy Mays III: Er versteht es, Intensität nicht nur durch Lautstärke, sondern auch durch Atmosphäre, Geduld und kluge Reduktion zu erzeugen.
Unser Fazit
„Cascade“ ist eine starke, konzentrierte EP, die Post Rock, Post Metal, Ambient und Elektronik sehr selbstverständlich ineinanderfließen lässt. Infinite Third beweist hier ein hervorragendes Gespür für Sounddesign, Spannungsaufbau und kompositorische Dynamik. Die Gitarrenarbeit ist ausdrucksstark, die Rhythmen packend, die elektronischen Elemente geschmackvoll gesetzt und die Produktion erfreulich druckvoll. Gerade durch die Zusammenarbeit mit Dylan Mixer gewinnt das Projekt hörbar an Präzision, ohne seinen ätherischen und emotional offenen Kern zu verlieren. Eine EP, die zugleich brachial, atmosphärisch und erstaunlich elegant wirkt.
Unsere Wertung:
➤ Songwriting: 8 von 10 Punkten
➤ Komposition: 8,5 von 10 Punkten
➤ Musikalische Fähigkeit: 8,5 von 10 Punkten
➤ Produktion: 8,5 von 10 Punkten
➤ Gesamtwertung: 8,4 von 10 Punkten
Trackliste
- Cascade
- Threading
- Cascade (.1dyllic Remix)
- Stillpoint (Ambient Cascade)
- Unravel (Ambient Threading)
Credits
Interpret: Infinite Third
Titel: „Cascade“
Herkunft: Atlanta, Georgia, USA
Format: EP
VÖ: 17. April 2026
Genre: Post Rock | Post Metal | Electronic | Ambient Drone | Instrumental
Label: Independent
Mehr zu Infinite Third im Netz
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